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Lungenkrebs – Krebs in der Lunge oder den tieferen Atemwegen

Lungenkrebs – Krebs in der Lunge oder den tieferen Atemwegen

Lungenkrebs: Häufiges Vorkommen mit meist ungünstiger Prognose

Lungenkrebs, Lungenkarzinom, Bronchialkarzinom – alle diese Begriffe bezeichnen eine Krebserkrankung, die im Gewebe der Lunge oder den tieferen Atemwegen, den sogenannten Bronchien entsteht.1

In Deutschland ist Lungenkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung (Neuerkrankungen) bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen: 2012 erkrankten ca. 34.500 Männer und 18.000 Frauen daran.2 Das Lebenszeitrisiko, also die Wahrscheinlichkeit, ein Bronchialkarzinom zu entwickeln beträgt bei einem Mann ca. 1 zu 15 und bei einer Frau ca. 1 zu 29. Die Neuerkrankungsrate steigt insgesamt an und weist Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf: Das veränderte Rauchverhalten zeigt sich durch einen Rückgang der Neuerkrankungen bei Männern, im Gegensatz zum verzeichneten Anstieg bei Frauen.2

25 Prozent aller krebsbedingten Todesfälle sind bei Männern auf Lungenkrebs zurückzuführen, 15 Prozent bei Frauen. Damit ist Lungenkrebs die mit Abstand häufigste Krebstodesursache bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen. Lungenkrebs gehört zu den Krebsarten mit ungünstiger Prognose: Die Wahrscheinlichkeit, 5 Jahre nach Diagnose noch zu leben, liegt für Frauen bei 21 und für Männer bei ca. 16 Prozent.2

Häufigkeit der Krebsneuerkrankungen nach Entstehungsort (in Prozent), Deutschland 2012, modifiziert nach Robert-Koch-Institut „Krebs in Deutschland“.

Hauptformen des Lungenkrebses

Lungenkrebs gliedert sich grundsätzlich in zwei Hauptformen, die sich hinsichtlich Aggressivität und Prognose unterscheiden:3

  • Der nicht-kleinzellige Lungenkrebs, auch NSCLC ("non small cell lung cancer") genannt. Der NSCLC kommt mit 80 bis 85 Prozent am häufigsten vor. Abhängig davon, aus welchen Zellen innerhalb der Lunge der Krebs entsteht, werden nicht-kleinzellige Lungentumore unterteilt in Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome und großzellige Karzinome:

    • Ca. 40 Prozent sind Plattenepithelkarzinome, die von Haut oder Schleimhaut ausgehen. Sie treten oft im zentralen Bereich der Lunge auf.
    • Schätzungsweise 35 Prozent sind Adenokarzinome, Häufigkeit ansteigend. Sie entstehen meist in den äußeren Lungenbereichen. Bei Nicht-Rauchern sind Adenokarzinome die am häufigsten auftretende Form des Lungenkrebses.
    • Etwa 10 Prozent gehören zu der Gruppe des großzelligen (oder undifferenzierten) Karzinoms.

  • Der kleinzellige Lungenkrebs, auch SCLC ("small cell lung cancer") abgekürzt. Diese Lungenkrebsform ist besonders aggressiv, sie wächst schnell und breitet sich rasch aus. Sie macht weniger als 20 Prozent aller Lungenkrebsfälle aus.

Entstehung und Ursachen: Rauchen ist Hauptrisikofaktor

Der Grund warum manche Menschen Krebs bekommen und andere nicht, ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Es gibt allerdings Faktoren, die das Risiko für eine Tumorerkrankung erhöhen. Lungenkrebs ist eine der Krebsarten, der ein eindeutiger Hauptrisikofaktor zugewiesen werden kann - das „aktive“ sowie das „passive“ Rauchen. Zigarettenrauch enthält ca. 50 krebsauslösende Substanzen, sogenannte Karzinogene. Schätzungen zufolge sind etwa 80 bis 90 Prozent aller Lungentumoren auf das Rauchen zurückzuführen bzw. hat sich gezeigt, dass etwa 85 Prozent der Personen, die an Lungenkrebs gestorben sind, Raucher waren . Die Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten, wann mit dem Rauchen begonnen wurde als auch die Anzahl der Raucher-Jahre sind hierbei ausschlaggebend.6

Weitere Risikofaktoren, die jedoch eine vergleichsweise kleine Rolle spielen sind z. B.:6

  • Umwelteinflüsse
  • Erbliche bzw. genetische Veranlagung
  • Gesundheitsschädliche Substanzen, wie u.a. Asbest, Arsen, Nickel und aromatische Kohlenwasserstoffe. Ca. 10 bis 20 Prozent aller Lungenkrebsfälle sind auf den Kontakt mit diesen gesundheitsschädlichen krebsverursachenden Stoffen im Rahmen von beruflichen Tätigkeiten zurückzuführen – es handelt sich dann um sogenannte Berufskrankheiten.7

Diagnostik und Stadieneinteilung: Entscheidend für Prognoseeinschätzung und Therapie

Bestätigt sich der Verdacht für Lungenkrebs, müssen folgende Punkte erörtert werden:

  • Wo genau befindet sich der Krebs?
  • Wie groß ist die Krebsgeschwulst?
  • Aus welcher Art von Krebszellen besteht diese?
  • Haben sich bereits Tochtergeschwülste entwickelt?

Verschiedene diagnostische Verfahren können hierfür zum Einsatz kommen: Eine Entnahme von krankhaft verändertem Gewebe (Biopsie), die Spiegelungen von Lunge und Brustraum, diverse Laboruntersuchungen wie z. B. die Analyse mittels Tumormarker sowie verschiedene bildgebende Verfahren wie die Röntgenuntersuchung, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie.

Zur Diagnose werden unter anderem auch bildgebende Verfahren wie z. B. die Computertomographie eingesetzt.

Die TNM-Klassifikation

Die gesamten diagnostischen Informationen werden für die Bestimmung des Tumorstadiums berücksichtigt und in Form eines TNM-Klassifikationssystems dokumentiert:6

  • T = Tumor: Wie groß ist die Krebsgeschwulst in der Lunge bzw. wie stark hat sich der Krebs in der Lunge ausgebreitet?
  • N = Lymphknoten (engl. Nodes): Wie viele Lymphknoten sind bereits von Krebszellen befallen (regionale Metastasen)?
  • M = Metastasen: Hat sich der Krebs bereits in andere entfernte Organe oder Gewebe des Körpers ausgebreitet (Tochtergeschwülste bzw. Fernmetastasen) und wenn ja, wo?

Der behandelnde Arzt nimmt anhand der TNM-Klassifikation die Stadieneinteilung (Staging) der Krebserkrankung vor. Diese Informationen werden zur Prognosestellung herangezogen und dienen der besseren Einschätzung des Krankheitsverlaufs sowie der Festlegung eines individuellen Therapieverfahrens.

Einteilung in Tumorstadien

Vier Turmorstadien werden unterschieden:

  • Stadium I: Örtlich begrenzter Haupttumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen
  • Stadium II: Der Tumor ist noch klein, hat aber bereits Lymphknoten befallen oder der Tumor ist etwas größer, hat aber noch nicht die Lymphknoten befallen.
  • Stadium III: Fortgeschrittener Tumor, der bereits die Lymphknoten befallen hat.
  • Stadium IV: Fernmetastasen vorhanden, unabhängig davon, wie klein oder groß der Tumor in der Lunge ist.

Therapiewahl bei Lungenkrebs: Prognose verschlechtert sich mit Fortschreiten der Erkrankung

Die Wahl des Behandlungsverfahrens für Patienten mit Lungenkrebs ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie z. B.:

  • vom Tumorstadium (I bis IV) bzw. der Ausdehnung der Krebserkrankung,
  • vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten
  • und vom feingeweblichen Krebstyp: Kleinzelliger (SCLC) oder nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC) – sowie den verschiedenen Formen des NSCLCs.8

Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) ist die operative Entfernung des krankhaft veränderten Lungengewebes die Therapie der Wahl, solange der Tumor lokal begrenzt ist und der Gesundheitszustand des Patienten, vor allem Herz- und Lungenfunktion, einen operativen Eingriff zulässt. Die Operation kann in diesem Fall auch eine Option auf Heilung sein.8

Der kleinzellige Lungenkrebs (SCLC) ist eine sehr aggressive Krebsform, die sich durch häufige und rasche Zellteilung schnell ausbreitet. Die operative Entfernung spielt bei diesem Krebstyp eine untergeordnete Rolle, weil der SCLC nur selten in den frühen lokal begrenzten Tumorstadien I und II diagnostiziert wird. Weniger als 10 Prozent der Patienten eignen sich deshalb für eine Operation.6

Therapiemöglichkeiten im fortgeschrittenen Stadium

Lungenkrebs im fortgeschritten Stadium, der bereits in benachbartes Gewebe eingewachsen ist, die Lymphknoten befallen oder Tochtergeschwülste in anderen Organen (Fernmetastasen) ausgebildet hat, ist in den meisten Fällen operativ nicht mehr behandelbar. Die Krebstypen nicht-kleinzelliger und kleinzelliger Lungenkrebs werden im fortgeschrittenen Stadium, bzw. letzterer aufgrund der Aggressivität auch in frühen Stadien, überwiegend durch den Einsatz von Chemo- und Strahlentherapien behandelt. Diese Therapien greifen regulierend in die Prozesse der Zellteilung ein. Krebszellen, die sich schnell und häufig teilen, können dadurch zerstört bzw. ihre Ausbreitung eingedämmt oder sogar vollständig gestoppt werden.

Sowohl Chemo- als auch Strahlentherapie können wie alle Therapien mit Nebenwirkungen verbunden sein. Während bei der Strahlentherapie vor allem lokale Reizungen oder Entzündungen des umliegenden Gewebes wie z.B. der Speiseröhre oder der Lunge selbst im Vordergund stehen, leiden Patienten, die mit Chemotherapie behandelt werden, häufig unter Müdigkeit, Anfälligkeit für Infektionen, Haarausfall oder Entzündungen insbesondere im Verdauungstrakt. Ob und welche Nebenwirkungen unter Chemotherapie auftreten, ist auch abhängig von der Art und der Intensität der Behandlung.9

Zielgerichtete Krebsmedikamente („targeted therapies“), die in spezifische Signal- oder Stoffwechselvorgänge eingreifen, die ausschließlich oder fast nur in Krebszellen aktiv sind, kommen ebenfalls seit einigen Jahren zum Einsatz. Beispielsweise, wenn ein Tumor weit fortgeschritten und nicht mehr operabel ist, wenn eine Chemotherapie nicht (mehr) wirkt oder in Kombination mit Chemotherapie. Bisher sind diese Wirkstoffe kein Ersatz für eine Operation oder eine Bestrahlung. Eine Heilung von Lungenkrebs oder ein längeres Aufhalten der Krebsausbreitung konnte durch ihren alleinigen Einsatz bisher nicht nachgewiesen werden.8

Zielgerichtete Krebsmedikamente dienen in der Regel dazu, das Fortschreiten der Erkrankungen zu verhindern bzw. zu verlangsamen und belastende Symptome abzuschwächen. Abhängig vom Wirkstoff selbst gehören Veränderungen des Blutbilds, Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen oder Hautveränderungen zu den häufigsten Nebenwirkungen.8 In den letzten Jahren haben zielgerichtet wirkende Krebsmedikamente die Prognose von Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium verbessert, dennoch ist der Bedarf an effektiven Therapien, die das Fortschreiten der Krebserkankung in diesem Stadium vermindern, weiterhin sehr groß.

Immunonkologie – ein Schlüssel im Kampf gegen Krebs

Neue Ansätze bieten innovative Medikamente, z. B. aus dem Bereich der Immunonkologie, insbesondere für Lungenkrebs-Patienten im fortgeschrittenen Stadium und nach Versagen einer Chemotherapie. Diese Medikamente haben ein anderes Wirkprinzip als bisherige Therapieformen. Immunonkologische Therapien zielen darauf ab, das körpereigene Immunsystem für den Kampf gegen den Krebs stark zu machen und zu reaktivieren. Das Immunsystem der Krebspatienten kann durch diese Therapieform wieder in die Lage versetzt werden, die Krebszellen zu erkennen und sie zu zerstören.10

Immunonkologika sind z.B. künstlich hergestellte Antikörper, die an bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche von Immunzellen, den T-Zellen binden und die Andockstelle für die Krebszelle blockieren.11 Somit wird die T-Zelle nicht mehr "ausgebremst" und kann ihre Funktion, die Bekämpfung von Krebszellen, wieder ausführen.10 Erwachsene Patienten mit Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium können - unter gewissen Umständen - mit immunonkologischen Wirkstoffen behandelt werden.

Aufgrund der Wirkweise treten unter der immunonkologischen Behandlung häufig andere Nebenwirkungen als beispielsweise unter Chemo- oder Strahlentherapie auf, die vermutlich auf eine erhöhte Immunaktivität zurückzuführen sind. Diese immunvermittelten Nebenwirkungen können sich in unterschiedlichen Organsystemen z.B. in der Leber, der Lunge oder anderen Organen äußern.12 Treten Nebenwirkungen auf, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.

Quellen:

  1. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Lungenkrebs. Wissen kurz gefasst: Häufig gestellte Fragen zu Lungenkrebs. Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/faq.php. Letzter Zugriff: 22.03.2016.
  2. Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.: „Krebs in Deutschland 2011/2012“, 10. Ausgabe, 2015; Abrufbar unter: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2015/krebs_in_deutschland_2015.pdf?__blob=publicationFile. Letzter Zugriff: 21.03.2016.
  3. Deutsche Krebsgesellschaft. Onko-Internetportal. Lungenkrebs, Bronchialkarzinom: Definition und Häufigkeit. Abrufbar unter: http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/definition/lunge-seite-1.html. Letzter Zugriff: 22.03.2016.
  4. Herold G et al. Innere Medizin, 2016.
  5. Deutsche Krebsgesellschaft. Onko-Internetportal. Lungenkrebs, Bronchialkarzinom: Vorbeugung von Lungenkrebs. Abrufbar unter: http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/definition/vorbeugung.html. Letzter Zugriff: 22.03.2016.
  6. Stiftung Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber „Lungenkrebs. Antworten. Hilfen. Perspektiven.“ Stand: 5/2015.
  7. Nowak D et al. Berufliche Risikofaktoren, Berufskrankheit, arbeitsmedizinische Begutachtung. Tumorzentrum München und W. Zuckschwerdt Verlag München 2014. Abrufbar unter: http://www.tumorzentrum-muenchen. de/fileadmin/Downloads/Patientenseite/Experten_Service/Risikofaktoren_aus_Manual_Lunge_2014.pdf. Letzter Zugriff: 14.04.2016.
  8. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Lungenkrebs. Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs: Welche Möglichkeiten gibt es? Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/behandlung-uebersicht.php. Letzter Zugriff: 22.03.2016.
  9. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Lungenkrebs: Behandlung von belastenden Symptomen. Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/lungenkrebs/therapie-besondere-probleme.php#inhalt22. Letzter Zugriff: 25.05.2016.
  10. Luke JJ, et al. PD-1 pathway inhibitors: The next generation of immunotherapy for advanced melanoma. Oncotarget. 2015; 6:3479–3492.
  11. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Immuntherapien bei Krebs – Monoklonale Antikörper. Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/monoklonale-antikoerper.php. Letzter Zugriff: 19.04.2016.
  12. Overkamp F. Checkpointinhibitoren. Im Fokus: Immunvermittelte Nebenwirkungen. Deutsches Ärzteblatt. Perspektiven der Onkologie. 2016; 1:34-35.