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Moni sitzt auf einer grünen Couch bei ihr zuhause. In wohnlicher Atmosphäre und mit entspanntem Look posiert sie für ein Foto.

Ich bin Moni, ich bin 45 Jahre alt und habe schon zwei Mal gegen Darmkrebs gekämpft.


Ja, Monika Klein gilt zum zweiten Mal als krebsfrei. Wie hat sie danach den Weg zurück ins Leben, die Normalität gefunden? Was war ihre größte Herausforderung? Worauf hat sie sich am meisten gefreut? Hier ist ihre Geschichte.


Liebe Moni, lass uns vielleicht ganz vorne anfangen. Wie ist der Krebs in dein Leben gekommen und was hat das mit dir gemacht?

Moni:

Ich habe immer ein sehr unbeschwertes Leben geführt. Ich bin mit 39 zur Vorsorgeuntersuchung gefahren mit Sascha, meinem Verlobten, weil seine Familie vorbelastet ist und sein Opa früh an Darmkrebs gestorben ist. Ich wollte ihn ermutigen zur Vorsorge zu gehen. Und ja, sein Befund war negativ und mein Befund war leider positiv. Wir waren ein Jahr zusammen, als diese erste Diagnose kam. Ich wurde dann erfolgreich am Darm operiert. Und drei Jahre später noch mal – nur schlimmer. Sie haben an derselben Stelle wieder einen Tumor gefunden und dann festgestellt, dass auch am Eierstock und im Bauchfell diverse Metastasen waren und der Tumor schon gestreut hatte.

Und das Gefühl, das kann man eigentlich keinem beschreiben. Jemand schubst dich eine Klippe runter und du weißt nicht, wie lange du fällst. Du wartest nur auf diesen Aufprall. Das ist alles so unwirklich. Und im ersten Moment ist dein Kopf voller Gedanken. Warum ich? Oder warum ich schon wieder? Krebs ist ein Arschloch und Krebs schmeißt ein komplettes Leben von einer Sekunde auf die andere total um.




Und deine Familie, deine Beziehung? Wie war das für die?

Moni:

Kinder fragen halt, was sie mit Krebs so verbinden: „Mama, musst du jetzt sterben?“ Aber es war auch immer klar: „Mama ist die Superheldin, die das jetzt bekriegen und bekämpfen muss.“

Und Sascha, mein Verlobter, hat von Anfang an gesagt: „Wir packen das. Wir machen das zusammen.“ Er war auch immer da und hat nie gezeigt, dass es ihm schwer ist oder dass er Angst hat. Ich bin ja nicht nur einmal operiert worden, sondern mehrfach und jeden Tag kam er ins Krankenhaus mit seiner Gitarre und hat nicht nur mir, sondern auch dem Pflegepersonal was vorgespielt, damit sie ihn länger bei mir im Zimmer lassen. Die Gitarre war immer dabei.


Du bist jemand, der sich immer viel bewegt hat – beim Tanzen und auch sonst. War es schwer, körperlich so schachmatt gesetzt zu werden?

Moni:

Da ist schon einiges passiert bei mir. Ich bin übersät mit Schnitten auf meinem Körper. Am Anfang hieß es: „Frau Klein, sie müssen langsam machen, das muss alles verheilen.“ Das Bauchfell wurde ja entfernt. Es wurde im Grunde alles entfernt, was nicht fest ist und was nicht unbedingt lebensnotwendig ist. Das muss erst mal verheilen. Das, was mich nach dem Krebs am meisten geärgert hat, ist, dass ich gemerkt habe, es geht nicht schneller. Das hat mein Körper mir klar gesagt.


„Es geht nur Stückchen für Stückchen. Ich bin kein geduldiger Typ, aber da übe ich mich in Geduld.“


Dann versuchst du das erste Mal Sport zu machen oder laufen zu gehen. Ich bin vorher immer gelaufen, habe getanzt, Yoga gemacht. Und dein Körper sagt: „Nein, ich möchte das so nicht.“ Ich hatte einfach keine Ausdauer mehr. Da war ich natürlich sauer und habe gedacht: „Jetzt bin ich den Krebs los. Jetzt habe ich das alles hinter mich gebracht. Bewegung ist gesund, man soll sich bewegen und es geht dann nicht so, wie ich will.“ Das hat mich wütend gemacht, weil ich einfach genau dieses aktive Leben wieder zurückhaben wollte.


Du hattest schon früh eine Leidenschaft fürs Tanzen. Wie hat das angefangen?

Moni:

Tanzen war für mich mein Leben. Ich hab´ schon früh angefangen. Nicht professionell, aber wir haben teilweise am Wochenende die Schlüssel abgeholt, sind in die Tanzschule rein, haben Stunden beim Tanzen verbracht, also wirklich Stunden. Am liebsten hätte ich da übernachtet. Wir haben wirklich ständig getanzt, ständig neue Figuren ausprobiert, neue Choreografien. Die Liebe zur Musik kommt daher, die Liebe zum Tanz, meine tiefen und langjährigen Freundschaften.

Moni blättert durch ein Fotoalbum. Man sieht sie nur von schräg oben angeschnitten, der Fokus liegt auf dem Album.

Ich habe dann später immer zu Sascha gesagt: „Wir müssen mal einen Tanzkurs machen. Ich möchte das mit dir genießen und auch zelebrieren. Ich möchte mit dir tanzen.“ Dann kam uns der Krebs dazwischen und hat dafür gesorgt, dass dieser Plan nichtig war. Deshalb habe ich gesagt: „Das Erste, was wir nach dem Krebs machen als Paar, ist das: Wir gehen zusammen tanzen.“ Für mich war das dann wie ein zweites erstes Mal.


Ich habe ein Tattoo Freedom is a state of mind. Es geht immer weiter. Man muss die Tür nur finden und dann durchgehen.


Wie hast Du Dein zweites erstes Mal, die Tanzstunde zusammen mit Sascha, erlebt?

Moni:

Es war unglaublich aufregend – die Frage, ob mein Körper bereit ist für diesen nächsten Schritt. In meinem Kopf klappt das super. Der sagt: „Das krieg´ ich hin.“ Aber unterbewusst denkst du natürlich: „Klappt das körperlich und kann ich das überhaupt noch – und auch ohne Schmerzen?“

Ich habe die Tanzschule betreten, in der ich schon sehr, sehr lange nicht mehr war und es war ein ergreifendes Gefühl. Wie eine Zeitreise. Früher war ich nervös, weil sich in dem Anfängerkurs alle kannten und alle schon tanzen konnten. Und ich war der Neuling und konnte das nicht. Das war jetzt schon ähnlich. Ich komme rein und es war wie beim ersten Mal, dieses Herzbubbern und der Gedanke: “Oh Gott, ob ich das schaffe? Ob ich mithalten kann?”

Es war wie damals. Eins zu eins. Meine erste Tanzstunde damals, vom Gefühl her, und jetzt, dieses Mal. Plötzlich fühlst du die Musik und deine Füße machen einfach. Du zählst irgendwann nicht mal mehr, sondern weißt, die Bewegung ist so und dann passiert es einfach. Das ist eine Einheit. Deine Füße, die Musik und das trägt dich. Dann war es auf einmal, als ob es nie anders gewesen wäre. Ich habe alles um mich herum vergessen, war total in meinem Element und habe festgestellt: Ich kann es noch. Und das war ein echt schönes Gefühl.


Moni steht mitten in einem Tanzstudio. Sie hebt den linken Arm nach oben und spreizt die Finger grazil ab. Ihre rechte Hand liegt in der Hand eines anderen.
Moni sitzt am Rand eines Tanzstudios auf einem Sprungkasten. Konzentriert zieht sie sich ihre hochhackigen Tanzschuhe an. Zu ihrem schwarzen Top trägt sie einen orangefarbenen Rock.
Moni steht an der Seite ihres Partners. Sie hat einen Arm in die Hüfte gestemmt, der andere Arm ist seitwärts nach oben gestreckt und liegt auf der Schulter ihres Partners. Beide lächeln ein wenig an der Kamera vorbei.
Moni mittleren Alters posiert in einem Tanzstudio. Ihre Arme sind in die Hüften gestemmt. Der Blick ist nachdenklich nach unten gerichtet.
Moni steht gemeinsam mit ihrem Partner in einem Wohnraum. Mit der rechten Hand hält sie seine Hand. Ihr linker Arm ist elegant nach oben gestreckt. Sie lächeln einander an.

Viele sagen ja: „Gott, es ist ja nur Tanzen.“ Pustekuchen. Wer mal getanzt hat weiß, dass das mehr ist. Es ist unheimlich viel Körperspannung. Viel passiert im Bauchraum. In dem Bereich, wo ich jetzt beschädigt und verletzlich bin. Und das schränkt mich schon ein. Ich habe es beim Tanzen gemerkt. Wenn ich mal eine Drehung gemacht und mich dabei nicht konzentriert habe, hatte ich Balance-Schwierigkeiten. Es muss alles wieder zusammenspielen und das dauert halt noch einen Moment. Aber ich bin zuversichtlich und ehrgeizig, das wird schon. Ich muss mich da peu à peu immer weiter zurückkämpfen.


Was glaubst du, was deine Jungs zu euren Tanz-Ambitionen sagen?

Moni:

Mein Jüngster, der Maxi, sagt: “Mama, da warst du im Flow.“ Meine Jungs wissen, wie wichtig mir das Tanzen ist und sie wissen auch, wie viel und wie gerne ich früher getanzt habe. Und Benni würde sagen: „Gönn‘ dir!“


Moni posiert mit ihren beiden Söhnen. Sie stehen der Größe nach hintereinander und sehen nach vorne. Der ältere Sohn steht hinter seiner Mutter und legt den Arm um sie und seinen kleinen Bruder. Die Hände der drei sind innig ineinander verschränkt.


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