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Welt-Hepatitis-Tag 2020: 5 Fragen zu Hepatitis Impfung, Therapie und Forschung

Am 28. Juli 2020 ist Welt-Hepatitis-Tag. Ein schöner Anlass einmal nachzufragen: Was tut sich eigentlich aktuell bei Hepatitis in den Bereichen Impfen, Therapie und Forschung? Wir haben 5 Fragen und deren spannende Antworten zum Thema Hepatitis B und C zusammengestellt.

 

Wer schon einmal einen aufmerksamen Blick in den eigenen Impfpass geworfen hat, findet dort eine Rubrik für Hepatitis A und B. Dabei gibt es doch auch noch weitere Hepatitis-Arten wie Hepatitis C. Kann man sich gegen diese denn nicht impfen lassen?

Gegen die durch Hepatitis A verursachte Erkrankung kann man vorbeugend Impfen und auch gegen eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus existiert ein Impfstoff zur Prävention. Einen Impfstoff gegen Hepatitis C gibt es in der Tat bisher noch nicht - obwohl schon seit über 25 Jahren intensiv an einem solchen geforscht wird.

 

Woran liegt es, dass bisher kein wirksamer Impfstoff gegen Hepatitis C gefunden werden konnte?

Eine Impfung ahmt den Kontakt mit bestimmten Krankheitserregern in kontrollierter Weise nach. Im Gegensatz zu einer echten Infektion werden dem Körper über den Impfstoff abgeschwächte oder abgetötete Erreger beziehungsweise Erregerbestandteile verabreicht. Dies genügt, um das Immungedächtnis und die Antikörperbildung anzuregen, ohne dass es zur Erkrankung kommt. Im Falle einer tatsächlichen Infektion kann so eine Vermehrung des Erregers sowie der weitere Befall körpereigener Zellen verhindert und eine Erkrankung vermieden werden.

HCV jedoch weist einige Besonderheiten auf, die die Entwicklung eines solchen Impfstoffs erschweren: Die Hepatitis-C-Viren vermehrt sich rasant in den menschlichen Leberzellen. Gleichzeitig kommt es bei dieser Replikation zu einer hohen Fehlerrate im Erbgut des Virus. So sind die Nachkommen des Virus nicht identisch. Das macht es äußerst schwierig eine universelle Erkennungsstelle an Hepatitis-C-Viren zu finden, welche für die Entwicklung eines effektiven Impfstoffs entscheidend ist.

Zudem existierten lange Zeit technische Hürden in der praktischen Umsetzung der Impfstoff-Forschung gegen HCV. Doch im Laufe der letzten Jahre gab es hier sehr große Fortschritte. So erlauben nun moderne Labor-Modelle und -Techniken neue effizientere Ansätze für die HCV-Impfstoffentwicklung.

 

Heißt das, dank der neuen Techniken könnte es nun zeitnah einen Durchbruch in der HCV-Impfstoffforschung geben?

Die Forschung hinsichtlich eines Hepatitis C Impfstoffes wird weiter betrieben und es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft auch ein effektiver Impfschutz gegen HCV verfügbar sein wird.

Einen sehr bemerkenswerten Durchbruch gab es aber in den vergangenen Jahren der Hepatitis C Forschung bereits: Die Entwicklung eines Zellkulturmodells zur Vermehrung des Virus im Labor. Dadurch konnten Wirkstoffe gegen das Virus gefunden werden, die eine Therapie ermöglichen. Diese Wirkstoffe sind erst seit wenigen Jahren zugelassen und können die Vermehrung von HCV in infizierten Menschen unterdrücken. Der Großteil der chronisch infizierten Hepatitis C Patienten kann so heute geheilt werden.

 

Und wie sieht es bei Hepatitis B aus? Dank Impfpass wissen wir: Hier kann man sich durch eine Impfung schützen. Doch wie gefährlich ist eine Hepatitis B Infektion und kann diese heut zu Tage erfolgreich therapiert werden?

Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) kann unterschiedlich verlaufen. In 30 % der Fälle entsteht eine akute Leberentzündung (Hepatitis) mit Gelbsucht, während in 65 % der Fälle die Infektion ohne Symptome verläuft. Die spontane Heilungsrate beträgt in beiden Fällen jedoch fast 100 %. Problematischer ist es, wenn das Virus nach der Infektion vom Körper nicht eigenständig beseitigt werden kann und im Körper verbleibt. Diesen Zustand kommt bei ca. 5 % der HBV-Infektionen zu Stande und wird als Viruspersistenz bezeichnet. Diese Viruspersistenz kann sich in Form einer chronischen Hepatitis manifestieren, welche im Laufe der Zeit über eine Leberschädigung zu einer Leberzirrhose und letztendlich auch zu einem primären Leberzellkarzinom führen kann.

Patienten mit einer chronischen HBV-Infektion sind grundsätzlich Kandidaten für eine antivirale Therapie. Das Ziel dieser Therapie ist die Menge der Viren im menschlichen Körper, die sogenannte „Viruslast“, deutlich zu verringern und langfristig die Ausheilung der Hepatitis B. Leider gelingt dies mit den aktuell verfügbaren Medikamenten jedoch häufig nicht.

 

Gibt es denn derzeit in der Forschung neue Ansätze für die Therapie einer chronischen Hepatitis B Infektion?

Das Ziel neuer therapeutischer Ansätze zur Behandlung einer chronischen HBV-Infektion besteht in deren Ausheilung. Hierzu werden fortlaufend verschiedene Mechanismen und Angriffspunkte für Medikamente untersucht, um entsprechende neue Wirkstoffe zu entwickeln. Dabei stellen – ähnlich wie bei HCV – bestimmte Eigenschaften des Hepatitis-B-Virus eine zusätzliche Herausforderung dar, z. B. die Fähigkeit das Virus-Erbgut in das menschliche Erbgut einbauen zu können. Aktuell wird davon ausgegangen, dass eine Kombination neuer Medikamente notwendig sein wird, um eine chronische HBV-Infektion heilen zu können: Solche, die direkt gegen das Virus gerichtet sind und solche, die am Immunsystem angreifen.

Das tolle ist, wie oben bereits erwähnt: Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung. Für Kinder gehört die HBV-Impfung zu den von der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfohlenen Standard-Impfungen. Wer die Impfung als Erwachsener nachholen oder auffrischen lassen möchte, kann seinen Hausarzt darauf ansprechen. Ein Überblick zu den Hepatitis B Risikogruppen ist hier zu finden.

 

Umfangreiche Informationen zu Hepatitis A, B, C, D und E

Neben Hepatitis A, B und C gibt es noch zwei weitere Formen: Hepatitis D und E. Informationen zu Übertragung, Vorbeugung, Risikogruppen, Symptomen, Diagnose und Therapie aller hier genannten Hepatitis Formen sind auf dieser Website hier zu finden.

DE-NON-01170 07/2020