Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom): Symptome, Diagnose und Behandlung
Diese Seite befasst sich eingehend mit dem Thema Eierstockkrebs, auch als Ovarialkarzinom bekannt. Informieren Sie sich zu Symptomen, den Schritten der Diagnose und erfahren Sie mehr zu den Behandlungsmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
Eierstockkrebs, auch Ovarialkarzinom genannt, wird häufig erst spät erkannt, da Beschwerden oft unspezifisch sind und sich Eierstockkrebs auch aus Metastasen anderer Krebsarten bilden kann. Im Jahr 2023 erkrankten in Deutschland 7.040 Frauen an Eierstockkrebs. Auf dieser Seite erfahren Sie, was ein Ovarialkarzinom ist, welche Risikofaktoren bestehen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapie- und Nachsorgeoptionen es gibt.
1. Was ist Eierstockkrebs?
Eierstockkrebs wird medizinisch als Ovarialkarzinom bezeichnet. Er entsteht, wenn sich Zellen in einem oder in beiden Eierstöcken verändern und unkontrolliert vermehren.
Die Eierstöcke – auch Ovarien genannt – sind zwei kleine, mandelförmige Organe im kleinen Becken. Sie liegen rechts und links neben der Gebärmutter, unterhalb der Eileiter und sind die weiblichen Keimdrüsen. In ihnen reifen die Eizellen heran, sie produzieren die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron und sie sind an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt.
Abb. 1: Aufbau der inneren Geschlechtsorgane der Frau (Vorderansicht).
Eierstockkrebs zählt zu den häufigeren bösartigen Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. In Deutschland erkrankten im Jahr 2023 7.040 Frauen an dieser Krebsart. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 68 Jahren. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko.
Abb. 2: Zahlen zu Eierstockkrebs in Deutschland.
2. Welche Ursachen gibt es für die Entstehung von Eierstockkrebs?
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Ovarialkarzinoms sind bislang nicht vollständig geklärt. Veränderungen im Erbgut der Zellen können dazu führen, dass sich Zellen unkontrolliert teilen. Oft entsteht Eierstockkrebs durch Metastasen von Tumoren in anderen Organen, weshalb bei der Diagnostik weitere Untersuchungen der Brust und des Magen-Darm-Trakts empfohlen werden.
Folgende Faktoren können das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken erhöhen:
- Kinderlosigkeit und Unfruchtbarkeit
- Höheres Alter
- Übergewicht
- Hormontherapie nach der letzten Regelblutung
- Asbest: Wenn durch den Kontakt mit Asbest Eierstockkrebs entsteht, kann dies als Berufskrankheit anerkannt werden
Nicht jeder Risikofaktor führt zwangsläufig zu einer Erkrankung. Eierstockkrebs kann auch ohne erkennbare Risikofaktoren auftreten.
Familiärer Eierstockkrebs
Bei etwa einem Viertel der Patientinnen lassen sich vererbte Genveränderungen nachweisen. Meistens spielen die Gene BRCA1 und BRCA2 eine Rolle. Ein genetisch erhöhtes Risiko kann bestehen, wenn nahe Verwandte Eierstock-, Brust-, Gebärmutterkörper- oder Darmkrebs hatten. Bei gesunden Trägerinnen einer entsprechenden Mutation der Gene lässt sich das Risiko durch Entfernung der Eileiter und Eierstöcke deutlich senken.
Diese Faktoren können das Risiko senken:
3. Welche Symptome können auftreten?
Häufig wird die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt, da die frühen Symptome oft unspezifisch sind und leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden können. Die Eierstöcke liegen tief im Bauchraum. Ein wachsender Tumor verursacht zunächst meist keine Schmerzen. Überwiegend entstehen Beschwerden erst, wenn der Tumor größer wird oder andere Organe verdrängt.
Die folgenden Symptome können auch bei vielen harmlosen Erkrankungen auftreten. Im Sinne einer guten Früherkennung sollten Frauen jedoch folgende Warnzeichen bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt beziehungsweise ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt abklären lassen.
Da es keine routinemäßige Früherkennungsuntersuchung gibt, spielt die Aufmerksamkeit gegenüber anhaltenden Beschwerden eine wichtige Rolle.
4. Diagnose von Eierstockkrebs: Untersuchungen und Ablauf
Besteht der Verdacht auf Eierstockkrebs, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Ziel ist es, folgende Punkte abzuklären:
- Liegt ein gutartiger oder bösartiger Tumor tatsächlich vor?
- Um welche Krebsart handelt es sich und wo befindet sich der Tumor?
- Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten?
- Haben sich bereits Metastasen gebildet?
Um diese Fragen zu beantworten, können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Diagnose ist ein ausführliches Gespräch zwischen der Ärztin oder dem Arzt und der Patientin, das auch Anamnese genannt wird.
Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen und familiäre Erkrankungen. Anschließend wird der Bauch von außen sowie über die Scheide von innen abgetastet.
Der transvaginale Ultraschall ist eine zentrale Untersuchung zur Beurteilung der Eierstöcke. Zusätzlich kann ein Ultraschall des Bauchraums durchgeführt werden.
Der Dickdarm wird entweder durch Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittelgabe oder über eine Darmspiegelung auf Tumoren und Metastasen untersucht.
Die Computertomographie ist eine Röntgenuntersuchung zur Darstellung innerer Organe in Bauch- und Brustraum, des Schädelinneren und vergrößerter Lymphknoten. Über die berechneten Schnittbilder können Lage und Größe des Tumors erkannt und mögliche Metastasen entdeckt werden.
In der Magnetresonanztomographie werden Radiowellen durch ein Magnetfeld in den Körper gesendet. Die unterschiedlichen Gewebestrukturen verändern die Radiowellen, die wieder von der Spule aufgefangen werden. Die daraus abgeleiteten Schnittbilder können sowohl Lage und Größe des Tumors zeigen als auch mögliche Metastasen erkennen lassen.
Über eine Blutuntersuchung können Tumormarker bestimmt werden, die möglicherweise wichtige Informationen zur Feststellung eines bösartigen Tumors liefern. Da nicht alle Frauen erhöhte Tumormarker im Blut aufweisen und auch andere Faktoren wie Rauchen zu erhöhten Werten führen können, eignet sich die Bestimmung von Tumormarkern vor allem für die Verlaufskontrolle.
Die endgültige Diagnose wird meist erst im Rahmen einer Operation gestellt. Dabei wird Tumorgewebe entnommen und zur Bestimmung der biologischen Eigenschaften feingeweblich untersucht. Erst diese Untersuchung bestätigt die Krebsart eindeutig.
Eierstockkrebs und Kinderwunsch
Es kann sein, dass Sie nach einer Operation aufgrund von Eierstockkrebs keine Kinder mehr austragen können. Bei einer Diagnose in einem frühen Stadium besteht eventuell die Möglichkeit, dass schonender operiert werden kann. Sprechen Sie gerne frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Optionen für Sie in Ihrer individuellen Situation in Frage kommen können.
5. Medizinische Klassifikation des Tumors
Bei Eierstockkrebs kann das Tumorstadium erst nach der Operation und der feingeweblichen Untersuchung genauer bestimmt werden. Das wird auch als Staging-Operation bezeichnet.
Eine Möglichkeit, das Tumorstadium zu beschreiben, ist die TNM-Klassfikation, die die örtliche Ausbreitung des Tumors sowie den Befall der Lymphknoten (Lymphknotenmetastasen) und anderer Organe (Fernmetastasen) einbezieht.
Eierstockkrebs kann ebenfalls abhängig von der Ausbreitung des Tumors und möglicher Metastasen nach der FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d’Obstétrique)-Klassifikation in mehrere Stadien eingeteilt werden.
6. Therapiemöglichkeiten bei Eierstockkrebs
Das Ziel der Therapie ist eine vollständige Entfernung oder Vernichtung des Tumors und möglicher Metastasen. Diese kurative Therapie soll zu einer dauerhaften Heilung führen. Lässt sich dieses Ziel voraussichtlich nicht erreichen, wird in einer palliativen Therapie versucht, den Tumor für eine möglichst lange Zeit zu kontrollieren und die Lebensqualität zu erhalten. Welche Therapieoptionen in Frage kommen können, hängt von mehreren Faktoren wie dem Tumorstadium, dem feingeweblichen Befund und dem Allgemeinzustand der Patientin ab.
Die Operation bildet in den meisten Fällen die Grundlage der Behandlung. Ziel ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors oder der Tumoren. Wie umfassend die Operation wird, hängt davon ab, ob und wie stark sich der Krebs bereits ausgebreitet hat.
Früher Eierstockkrebs: Hier kann die Entfernung der befallenen Eierstöcke und der Eileiter ausreichen, wenn die Kapseln der Eierstöcke noch nicht betroffen sind und keine stark veränderten Krebszellen nachgewiesen werden.
Fortgeschrittener Eierstockkrebs: Ist der Krebs bereits fortgeschritten, können bei der Operation auch befallene umliegende Organe oder Organteile entfernt werden sowie Lymphknoten im kleinen Becken und neben der Hauptschlagader.
Da das Staging erst nach der Operation erfolgt, kann es sein, dass Ihre Ärztinnen und Ärzte vorab weitere Behandlungsschritte mit Ihnen besprechen, die nach dem Staging womöglich nicht notwendig werden.
Nach der Operation erhalten die meisten Patientinnen eine Chemotherapie, um Krebszellen am Zellwachstum oder der Zellteilung zu hindern. Die Chemotherapie soll einen Tumor verkleinern, vollständig zerstören oder zumindest das Wachstum verhindern. Chemotherapien enthalten Zytostatika, die im gesamten Körper wirken. Deshalb werden nicht ausschließlich Krebszellen angegriffen, sondern auch gesunde Zellen, die sich ähnlich wie Krebszellen schnell teilen, zum Beispiel Haare oder Schleimhäute.
Beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom ist der zusätzliche Einsatz zielgerichteter Medikamente möglich. Diese Therapien greifen gezielt in bestimmte Signalwege der Krebszellen ein und können die Wirkung einer Chemotherapie unterstützen.
Eine Möglichkeit der zielgerichteten Therapien ist der Einsatz von Antikörpern. Diese sind eigentlich ein Teil des körpereigenen Immunsystems, können aber auch künstliche hergestellt und vor allem bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs eingesetzt werden. Antikörpertherapien wirken ähnlich wie Chemotherapien im ganzen Körper und greifen bestimmte Strukturen in den Krebszellen an.
Die Strahlentherapie spielt bei Eierstockkrebs meist eine untergeordnete Rolle. In bestimmten Situationen kann sie zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden.
7. Nachsorge und Verlaufskontrolle
Nach Abschluss der Behandlung beginnt die sogenannte Nachsorge oder Verlaufskontrolle. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der gesamten Krebsbehandlung. Ziel ist es, die Gesundheit langfristig zu sichern und Betroffene gut im Alltag zu unterstützen. Für die Nachsorge oder die Verlaufskontrolle sollte eine Ärztin oder ein Arzt des Vertrauens alle Fäden in der Hand halten, der / dem sie alle wichtigen Informationen aus der Klinik zur Verfügung stellen sollten.
- Feingewebliche Befunde (histologischer Bericht)
- Laborbefunde
- Befunde bildgebender Verfahren (Ultraschall, CT, MRT)
- Medikamentöse Tumortherapieprotokolle
- Berichte der Bestrahlungsbehandlung
- Arztbriefe
- Operationsbericht
- Nachsorgeberichte
- Liste der aktuellen Medikation
- Liste der eventuell nötigen Hilfsmittel
Die Nachsorge nach einer Erkrankung mit Eierstockkrebs hat mehrere wichtige Ziele:
Anschlussheilbehandlung oder Anschlussrehabilitation
Nach dem Krankenhausaufenthalt kann eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder eine Anschlussrehabilitation sinnvoll sein, die möglichst innerhalb von 14 Tagen nach Entlassung aus dem Krankenhaus beginnen sollte. Ziel ist es, den Wiedereinstieg in den Alltag zu erleichtern.
Ein Reha-Aufenthalt kann ein wichtiger Baustein für die körperliche und seelische Erholung nach der Akuttherapie sein.
Bei einem Nachsorgetermin werden unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt. Meistens wird die Patientin in der Anamnese zu Beginn nach aktuellen Beschwerden und Symptomen gefragt. Anschließend können gynäkologische körperliche Untersuchungen aus Tastuntersuchung und einer Spiegeluntersuchung folgen. Auch ein Ultraschall der Scheide und eine Tastuntersuchung des Enddarms sind häufig Teil der Nachsorge.
Um den Überblick über Untersuchungen und Termine zu behalten, kann es sinnvoll sein einen Nachsorgepass zu führen. Nachsorgeuntersuchungen sollten pünktlich wahrgenommen werden, um Rückfälle frühestmöglich zu erkennen.
Ist die Krebserkrankung nicht heilbar, ist eine regelmäßige Verlaufskontrolle wichtig. In diesem Fall können die Ziele die Erhaltung der Lebensqualität und das Bremsen des Fortschreitens der Erkrankung sein.
8. Hilfsangebote und Selbsthilfegruppen
Betroffenen stehen zahlreiche Unterstützungsangebote zur Verfügung. Wir haben thematisch passende Links mit allgemeinen Informationen zu Rehabilitation und Teilhabe, zu Selbsthilfegruppen sowie zu weiteren Aspekten rund um das Thema Eierstockkrebs zusammengestellt.
Allgemeine Informationen und Beratung
- Infonetz der Deutschen Krebshilfe
- Landeskrebsgesellschaften (LKG)
- Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
Beratung zur Rehabilitation
Informationsangebote der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR)
- Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR)
- Reha-Einrichtungsverzeichnis
- Arbeitshilfe für die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Krebserkrankungen
- Ansprechstellen für Rehabilitation und Teilhabe
Selbsthilfegruppen
Patientenorganisationen
Weiterführende Informationen
Therapieoptionen bei Krebserkrankungen
Bei vielen Krebserkrankungen gibt es heute mehrere Therapieoptionen. Hier stellen wir die wichtigsten vor, die für die Therapiewahl eine Rolle spielen können.
Beratung und Unterstützung bei Krebserkrankungen
Podcast Café Krebs
Obwohl uns alle das Thema Krebs auf die eine oder andere Art berührt, wird es von einigen noch als Tabu wahrgenommen. Das wollen wir mit Café Krebs ändern. Wir wollen Raum schaffen zum Diskutieren, Lachen, Weinen und Grübeln und die Tür für Gespräche öffnen, um dem Krebs ein wenig seiner Macht zu nehmen.
Hilfe für Betroffene
Hilfe für Betroffene und Angehörige finden Sie bei Beratungsstellen des Krebsinformationsdienstes.
Leben nach der Krebstherapie: Mein Zweites Erstes Mal
Wie kann der Weg zurück ins Leben nach Abschluss einer Krebstherapie gelingen und was ist zu beachten?
Helga hilft
Schnelle psychoonkologische Beratung finden Krebspatient:innen und ihre Angehörigen bei der von MSD geförderten Initiative Helga hilft.
DE-NON-08248 05/26