
HIV-Therapie & Selbstmedikation – Mögliche Wechselwirkungen
Hätten Sie es gewusst? Magensäureblocker (Antazida), Knoblauchpräparate, Medikamente gegen Allergien, Johanniskraut, Hustenmittel und viele weitere Präparate können mit HIV-Medikamenten Wechselwirkungen eingehen! Dabei können sich Arzneimittel und andere Stoffe gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken oder abschwächen.
Steigerung oder Senkung des Wirkstoffspiegels
So sind durch Interaktionen sowohl Spiegel-Senkungen (Wirkverlust) als auch –Steigerungen (vermehrt unerwünschte Wirkungen) der antiretroviralen Therapie (ART) möglich. Es können aber auch Reduktion oder Verstärkung der Wirksamkeit (und der Nebenwirkungen) der Begleitmedikation auftreten. Im Falle von HIV-Medikamenten kann der Wirkverlust durch zu niedrige Wirkspiegel zur Entwicklung einer Unempfindlichkeit, d. h. zu einer Resistenz der HI-Viren führen.
Wie kann ein Wirkverlust vermieden werden?
Um das Risiko für Nebenwirkungen oder einen Wirkverlust zu minimieren, besprechen Sie stets mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt alle Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzenextrakte, die Sie einnehmen oder planen einzunehmen. In einigen Fällen reicht ein zeitlicher Abstand zwischen der Einnahme, manchmal sollte aber auch ganz auf ein Medikament oder ein Pflanzenextrakt verzichtet werden. Unter Umständen kann auch ein Wechsel auf andere Substanzen sinnvoll sein, z. B. wenn Sie nicht auf die Nahrungsergänzungsmittel verzichten wollen und auch keinen zeitlichen Abstand bei der Einnahme garantieren können.
Arzneimittel und Pflanzenextrakte mit Einfluss auf HIV-Medikation
Welche Arzneimittel und Pflanzenextrakte können die Wirkung einiger HIV-Medikamente beeinflussen? Im Folgenden zeigen wir Ihnen ausgewählte Beispiele auf, die im Allgemeinen zur Selbstmedikation angewendet werden und die im Falle einer Wechselwirkung den Erfolg der HIV-Therapie gefährden können:
- Magensäureblocker (Antazida) verringern den Säuregehalt der Magensäure. Sie können so die Wirkstoffaufnahme von HIV-Medikamenten beeinträchtigen, deren Bioverfügbarkeit pH-abhängig ist. Zudem können Magnesium- und Aluminium-haltige Säureblocker die Wirkstoffverfügbarkeit einiger HIV-Medikamente beeinträchtigen.
- Die gleichzeitige Anwendung mancher HIV-Medikamente mit bestimmten Medikamenten gegen Allergien (Antiallergika) kann zu schweren und lebensbedrohlichen Reaktionen wie Herzrhythmusstörungen führen. Nach ärztlicher Rücksprache kommen möglicherweise alternative Antiallergika in Frage.
- Bestimmte Magen-Darm-Präparate wie Abführmittel können zu einer Komplexbildung führen. Auf diese Weise können sie die Wirkstoffverfügbarkeit einiger HIV-Medikamente beeinträchtigen.
- Johanniskraut, das als pflanzlicher Bestandteil in manchen Schlaf- und Beruhigungsmitteln enthalten ist, darf mit bestimmten HIV-Medikamenten nicht zusammen eingenommen werden, da es deren Wirkspiegel senken kann.
- Knoblauch-Präparate können ebenfalls den Wirkspiegel und die Bioverfügbarkeit einiger HIV-Medikamente senken.
- Bei Grapefruit-Saft besteht das Risiko einer erhöhten Wirkstoffaufnahme und Bioverfügbarkeit bei gemeinsamer Anwendung mit bestimmten HIV-Medikamenten.
- Die Anwendung von Echinacea kann unvorhersehbare Auswirkungen auf den Wirkstoffspiegel mancher HIV-Medikamente haben. Möglicherweise folgt daraus eine unerwünschte Erhöhung der Viruslast.
- Baldrian kann bei zeitgleicher Anwendung bestimmter HIV-Medikamente eine Erhöhung des Wirkstoffspiegels verursachen.
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Um das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Ihrer HIV-Medikation und der Selbstmedikation zu minimieren, informieren Sie stets Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihren behandelnden Arzt über von Ihnen zusätzlich angewendete Arzneien und Nahrungsergänzungsmittel. Erwähnen Sie im Gespräch auch, wenn Sie z. B. den Abstand zwischen den Einnahmen der unterschiedlichen Medikamente nicht einhalten können, und fragen Sie nach Behandlungsoptionen, die besser zu Ihrem Lebensstil passen. So können Sie dazu beitragen, dass Wechselwirkungen vermieden werden, die die Wirkung Ihrer HIV-Therapie beeinträchtigen könnten.
DE-NON-07085