„Neustart mit 42 Jahren – mein Leben mit Hautkrebs“
„Das hier ist meine Geschichte. Keine Empfehlung. Kein Versprechen. Sondern mein persönlicher Weg mit Hautkrebs – Schritt für Schritt.“
Ein Routine-Check – und plötzlich ist alles anders
Alles fing 2015 an. Meine Frau hat für mich einen Termin bei ihrer Dermatologin ausgemacht. Normalerweise denkt man sich nichts dabei. Und dann hat sie mir gesagt, dass sie in meinem Brustbereich etwas gefunden hat, das sie gerne kontrollieren wollte. Und so wurde aus einem Routinebesuch die Diagnose schwarzer Hautkrebs.
Was ist schwarzer Hautkrebs?
Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Dabei wird diese Krebsart in den sogenannten schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und weißen Hautkrebs eingeteilt. Der schwarze Hautkrebs ist ein bösartiger Tumor, der von den pigmentbildenden Zellen der Haut ausgeht und daher auch den Namen malignes Melanom trägt. Mit etwa 27.000 Neuerkrankungen in 2023 gehörte das maligne Melanom zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter für das maligne Melanom liegt allerdings höher. Im Mittel erkranken Frauen mit 64 Jahren, Männer erst mit 69 Jahren.
Weitere Informationen zum Thema Hautkrebs, Diagnose, Vorsorge und Behandlung gibt es unter „Hautkrebs im Fokus“.
Das Melanom wurde von meiner Dermatologin operativ entfernt und ich habe mir gedacht: „Damit kann ich einen Haken dran machen.“ Für mich war das Kapitel abgeschlossen. Ich fühlte mich gesund, ging wieder arbeiten, war viel beruflich unterwegs und lebte mein Leben ganz normal weiter. Trotz weiterer Kontrollen hatte ich das Thema „Krebs“ für mich zur Seite geschoben. Es verschwand aus meinem Kopf und war etwas, das ich gehabt hatte und nicht etwas, das mich weiter begleiten würde.
Wenn das Leben auf einmal eine Lücke hat
Fünf Jahre später dann der Schock: Nachdem ich einige Zeit lang wiederkehrende Kopfschmerzen hatte, die mit Medikamenten nicht in den Griff zu kriegen waren, rief meine Frau kurz vor Weihnachten den Notarzt. Im Krankenhaus hat sich im MRT dann gezeigt, dass ich einen Tumor im Gehirn habe. Es folgten mehrere Operationen. Danach war mein Kurzzeitgedächtnis weg. Die direkte Zeit kenne ich nur aus Erzählungen.
Meine Frau musste in dieser Zeit sehr kämpfen. Es war Weihnachten. Da waren die Ungewissheit und die Sorge um mich. Da waren die Kinder, denen alles erklärt werden musste. Und es gab Corona, was die Besuche im Krankenhaus sehr erschwert hat.
Es folgten weitere Operationen, Bestrahlungen und dann die Reha. Denn nicht nur mein Kurzzeitgedächtnis war weg: Ich musste Gehen neu lernen. Fahrradfahren neu lernen. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, wurden zu Übungen, zu kleinen Schritten, zu Wiederholungen. Und meine ganz persönliche Hölle: Treppensteigen.
Meine Familie hat mich da gut durchgeführt. Sie war meine Motivation und Antrieb, immer weiterzumachen und doch noch eine Runde zu drehen. Von dieser ganzen Zeit ist mir eine schmerzhafte Sache geblieben: Ich wusste nicht mehr, dass ich einen Sohn habe. Diese Tatsache verdeutlicht mir bis heute, wie tief der Einschnitt war. Meine Erinnerungen an meine Vergangenheit waren größenteils gelöscht.
Tagebuch gegen das Vergessen – Schritt für Schritt zurück ins Leben
Um gegen meine Gedächtnislücken vorzugehen, fing ich an, Tagebuch zu schreiben. Nicht aus literarischem Ehrgeiz, sondern aus Angst, mich selbst zu verlieren. Denn ich hatte schon zu viel verloren, Teile meiner Vergangenheit – gemeinsame Momente mit meiner Familie – waren verschwunden. Das war für mich eine der größten emotionalen Herausforderungen: zu wissen, dass etwas fehlt – und es nicht zurückholen zu können.
Lustigerweise sind einige andere, scheinbar banale Themen, geblieben. So blieb mir das Thema Musik, ich konnte noch ganze Liedtexte auswendig. Oder meine Sprachen, Deutsch, Englisch, Französisch und das bisschen Schwedisch von früher. Das hat mein Kopf irgendwie behalten.
„Ich habe Teile meiner Vergangenheit – wertvolle Erinnerungen an die gemeinsamen Momente mit meiner Familie verloren“
Seit 2024 kann ich sagen: Die Erkrankung ist stabil. Dieser Satz fühlt sich bis heute ungewohnt an. Lange war jede Untersuchung mit Anspannung verbunden. „Stabilität“ ist für mich kein großes Wort. Es ist ein ruhiger Moment zwischen zwei Arztterminen.
Zu meiner Behandlung gehören neben regelmäßigen Körperscans auch eine Immuntherapie. Sie gehört zu meinem Alltag – meinem neuen Normal. Dazu gehören auch Treffen mit meiner „Infusionsclique“. Das sind Menschen, die ich während meiner Behandlung kennengelernt habe. Wir sprechen über Alltägliches: Über Fußball, Familie, kleine Aufreger. Wir sprechen nicht über Krebs – das hilft mir. Es schafft Normalität und rückt die Erkrankung in den Hintergrund.
Was mir noch hilft und ich auch nicht gedacht hatte, dass ich mich das traue: Ich habe als Basketballtrainer angefangen und trainiere eine Mädelsmannschaft. Das bringt extrem viel Spaß. Ich habe früher jahrelang selbst Basketball gespielt. Nach meiner Erkrankung geht das nicht mehr. Für mich sind es nun die kleinen Erfolge, zum Beispiel jede Spielerin beim Namen zu kennen, ist für mich mehr als Statistik. Es ist ein Beweis, dass mein Gedächtnis noch etwas kann.
„Nach über 10 Jahren gelte ich als Langzeitüberlebender. Das ist für mich kein medizinischer Begriff mehr. Es ist mein Alltag. Ein Alltag mit Terminen, mit Unsicherheiten – aber auch mit vielen normalen Momenten.“
Die Kunst Veränderungen anzunehmen
Es fühlt sich immer noch merkwürdig an, dies jetzt als „normal“ zu bezeichnen. Hat sich mein Leben doch im Vergleich zu früher sehr stark verändert.
Früher war ich viel auf Reisen. Beruflich unterwegs, selten zu Hause. Heute sieht mein Alltag anders aus. Ich kontrolliere die Hausaufgaben. Ich hole meinen Sohn vom Kindergarten ab. Ich koche das Abendessen. Nur backen sollte ich nicht, da habe ich mich als zu untalentiert erwiesen. Das Kochen klappt gut, aber bitte keinen Kuchen, keine Plätzchen, keine Muffins. Das ist meistens eine Katastrophe. Eine 180 Grad-Wende in unserem Familienalltag.
„Es geht auch nur, weil ich eine extrem starke Frau an der Seite habe. Humor ist für uns wichtig. Nicht, um etwas kleinzureden. Sondern, um Luft zu holen.“
Meine Frau ist heute die Hauptverdienerin. Unsere Rollen haben sich verschoben. Und wir haben gelernt, sie neu zu verteilen.
Wenn aus kleinen Zielen neue Zuversicht wächst
Zum Geburtstag wünsche ich mir nichts Materielles mehr. Ich wünsche mir Erlebnisse. Dieses Jahr war es ein Poetry Slam. Zeit gemeinsam zu verbringen ist für mich kostbarer geworden.
„Den größten Wunsch, den ich habe, ist, nächstes Jahr Silvester wieder hier zu stehen und mit meiner Familie zu feiern.“
Ich plane nicht mehr weit im Voraus. Ich denke in überschaubaren Etappen. Silvester ist für mich zu einem zentralen Meilenstein geworden. Ein Ziel, auf das ich hinarbeite.
Das bedeutet auch, dass ich mir kleine Ziele setze: Fahrradfahren. Namen merken. Mobil bleiben. Dass ich wieder sicher unterwegs sein kann. Dass ich mir Dinge zutraue.
Klarheit statt Angst – mein neues Normal
„Meine Erkrankung gehört zu mir. Aber sie definiert nicht alles. Es gibt Tage mit Angst. Aber auch Tage mit Leichtigkeit.“
Ich weiß, dass Zeit relativ ist. Was nach einer billigen Phrase klingt, ist bei mir einfache Realität. Ich würde mich hüten zu sagen, ich bin gesund. Aber es ist etwas, mit dem ich umgehen kann.“Ich treffe Freunde. Ich sitze mit meiner „Infusionsclique“ zusammen. Ich lache. Es gibt Tage mit Angst. Und Tage mit Leichtigkeit. Beides darf sein.
Weiterführende Informationen
Therapieoptionen bei Krebserkrankungen
Bei vielen Krebserkrankungen gibt es heute mehrere Therapieoptionen. Hier stellen wir die wichtigsten vor, die für die Therapiewahl eine Rolle spielen können.
Geben Sie schwarzem Hautkrebs keine Chance!
Eine frühzeitige Diagnose kann bei Hautkrebs entscheidend sein. Hier erfahren Sie, worauf man bei der Selbstuntersuchung der Haut achten sollte. Schauen Sie das Video an uns spielen Sie das Melanom-Quiz!
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