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Morbus Bechterew - Beschwerden & Ursachen

Morbus Bechterew - Beschwerden & Ursachen

Art und Ausprägung der Morbus-Bechterew-Symptome

Morbus Bechterew (auch ankylosierende Spondylitis genannt) beginnt häufig mit tiefsitzenden Rückenschmerzen. Der Krankheitsverlauf ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung einschließlich regelmäßiger spezieller Gymnastik kann der Verlauf jedoch in vielen Fällen positiv beeinflusst werden. 

Die ersten Anzeichen

Morbus Bechterew beginnt häufig mit einer Entzündung im so genannten Sakroiliakalgelenk (Kreuzdarmbeingelenk), welches die Wirbelsäule mit dem Becken verbindet. Dies erklärt den fast immer tiefsitzenden Rückenschmerz zu Beginn der Erkrankung.

Zu den Symptomen zählen z. B.:

  • Tiefsitzender Rückenschmerz, der bevorzugt nach längerer Ruhe, also nachts oder in den frühen Morgenstunden auftritt und sich durch Bewegung bessert.
  • Morgensteifigkeit des Rückens von etwa 30 Minuten oder länger.
  • Andauern der Schmerzen von mehr als drei Monaten (chronischer Rückenschmerz).
  • Kein plötzlich einsetzender Rückenschmerz, sondern ein langsamer Beginn im Verlauf der Zeit.

     

Warum fühle ich mich so müde?

Einige Morbus-Bechterew-Patienten leiden an starker Müdigkeit. Chronische Entzündungen stellen generell eine starke Belastung für den Körper dar. Das kostet Kraft und verursacht häufig Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Wird das Bett bereits früh morgens wegen Schmerzen verlassen, resultiert die Müdigkeit auch oft aus dem Schlafmangel.

Sind Veränderungen an der Wirbelsäule möglich?

Bedingt durch die Entzündung kann eine Zerstörung des Knorpelgewebes mit nachfolgendem knöchernen Umbau der Gelenke beobachtet werden.

Im weiteren Verlauf kann sich die Entzündung auf die Wirbelsäule ausdehnen und zu einer zunehmenden Verknöcherung mit Versteifung der Wirbelgelenke führen. Dieser meist schmerzhafte Prozess kann sich über viele Jahre hinziehen, ist aber nicht zwangsläufig. Das heißt, dass auch milde Verlaufsformen häufig zu beobachten sind.

Schematische Darstellung des Fortschreitens der Wirbelsäulenveränderungen im Verlauf der Erkrankung. Rechts sind knöcherne Überbrückungen der Wirbel als mögliche Spätfolgen sichtbar.

Wie verläuft die Erkrankung?

Morbus Bechterew ist eine chronische (lang dauernde) Krankheit, die bisher nicht heilbar ist. Dabei ist der Krankheitsverlauf bei jedem anders.

Morbus Bechterew kann sowohl stetig fortschreiten als auch in Schüben verlaufen, die von unterschiedlich langen beschwerdefreien Phasen unterbrochen werden.
Ebenso zeigen sich bezüglich des Schweregrades große Unterschiede. Bei manchen Menschen verläuft die Krankheit relativ mild und es zeigen sich kaum Symptome, während sie bei anderen starke Schmerzen und eine Beeinträchtigung der Beweglichkeit der Wirbelsäule verursachen kann.

Eine wichtige Säule in der Therapie des Morbus Bechterew ist eine konsequente und regelmäßige Durchführung von spezifischen Gymnastikübungen. Die Übungen können dazu beitragen, die Beweglichkeit zu verbessern und einer Versteifung der Wirbelsäule oder anderen möglichen Spätfolgen der Erkrankung entgegenzuwirken. Die Wahl und die Intensität der Aktivität sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. 

Wichtig ist, dass Sie mithelfen, Ihre Symptome zu beobachten, auch regelmäßig nach der Diagnosestellung. Dadurch können Sie und Ihr Rheumatologe den Verlauf Ihrer Krankheit überwachen und frühzeitig erkennen, ob die Behandlung angepasst werden muss.

Kann Morbus Bechterew andere Gelenke betreffen?

Ja, neben der Wirbelsäule können schmerzhafte Entzündungen auch an anderen Gelenken wie z. B. Knie, Hüfte und Schulter auftreten.

Auch die Sehnenansätze (typisch ist hier beispielsweise die Druckschmerzhaftigkeit der Achillessehne) können betroffen sein.

Können auch andere Organe betroffen sein?

Ja, bei Patienten mit Morbus Bechterew können u. a. folgende Erkrankungen beobachtet werden:

  • Augenentzündungen (Iritis, Uveitis).
  • Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)
  • verminderte Knochendichte (Osteopenie/Osteoporose). 

Falls Sie mögliche Symptome einer der oben genannten Erkrankungen an sich beobachten, sollten Sie mit Ihrem Rheumatologen darüber sprechen. Möglicherweise kann eine Anpassung der Morbus-Bechterew-Therapie dabei helfen, diesen Krankheitsbildern zu begegnen. Ihr Rheumatologe kann Sie bei Bedarf auch an andere Fachärzte zur weiteren Abklärung überweisen. 

Wie entsteht Morbus Bechterew? Ursachen und Risikofaktoren

Gegenwärtig werden genetische Besonderheiten und bestimmte Umwelteinflüsse als Ursache für Morbus Bechterew diskutiert. Welche Faktoren aber genau die Erkrankung auslösen, ist bis heute nicht geklärt. Körpereigene Zellen werden angegriffen. Deshalb zählt Morbus Bechterew auch zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen (griechisch: autos = selbst, immun = geschützt, frei). 

Was ist HLA-B27 und welche Rolle spielt die Vererbung?

HLA-B27 ist ein spezielles Zelloberflächenmerkmal, das, wenn vorhanden, auf fast allen Körperzellen vorhanden ist und vermutlich eine wichtige Rolle bei der Infektionsabwehr sowie der Unterscheidung des Immunsystems zwischen „fremd“ und „eigen“ spielt.
Bei durchschnittlich 60-85 % der Patienten mit Morbus Bechterew ist HLA-B27 als typisches genetisches Merkmal zu finden. Diese Tatsache weist auf eine erbliche Veranlagung hin. Das Vorliegen dieses Merkmals bedeutet jedoch nicht automatisch, dass man an Morbus Bechterew erkrankt.

Umgekehrt bedeutet das Fehlen des genetischen Merkmals nicht, dass eine entzündlich-rheumatische Erkrankung ausgeschlossen werden kann. Weitere Gene und andere umweltabhängige Faktoren scheinen auch eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung zu spielen.