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Übelkeit und Erbrechen - Warum?

Übelkeit und Erbrechen - Warum?

Erbrechen wird vom Körper als Schutzmechanismus in Folge einer Chemotherapiebehandlung ausgelöst. Meist geht ihm eine Übelkeit voraus, die oft als unangenehmer, als das Erbrechen selbst empfunden wird. Diesen beiden Reaktionen des Körpers liegen komplexe neuronale und stoffliche Prozesse zu Grunde.

Erbrechen ist eigentlich ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers. Der Reflex des Erbrechens kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, unter anderem durch Bewegung (Reiseübelkeit), Schwangerschaft, psychischen Stress, Erhöhung des Hirndrucks, bestimmte Operationen, Bestrahlung im Bauchbereich, Medikamente oder durch Giftstoffe.

Durch Erbrechen kann der Körper Giftstoffe, die in den Magen gelangt sind, schnell wieder loswerden. Vorbote des Erbrechens ist die Übelkeit. Es kann einem aber auch übel sein, ohne dass man erbrechen muss. Von manchen Patienten wird ein kurzfristiges Erbrechen als weniger unangenehm empfunden als eine über Stunden oder gar Tage anhaltende Übelkeit.

So entstehen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie

Das Erbrechen ist ein komplizierter Prozess, der ein Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Organen, Muskeln und Nerven voraussetzt. Im Gehirn befindet sich ein sogenanntes „Brechzentrum”, das den gesamten Vorgang koordiniert. Messfühler im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn registrieren, wenn ein Giftstoff in den Körper gelangt ist. Sie senden Botenstoffe aus (Neurotransmitter), die dem Brechzentrum den Befehl zum Erbrechen übermitteln.

Die zur Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) erkennt der menschliche Organismus als vermeintliche Giftstoffe und versucht, sie durch Erbrechen wieder auszuscheiden.

Die Befehlsübertragung erfolgt dadurch, dass die Neurotransmitter an für sie ganz spezielle Schlüsselstellen, sogenannten Rezeptoren, andocken. Man kennt inzwischen einige Neurotransmitter und deren Rezeptoren, die beim Auslösen des Erbrechens und der Übelkeit eine Rolle spielen. Zwei wichtige Neurotransmitter sind Serotonin und Substanz P.

Serotonin wird in großen Mengen in den Zellen der Dünndarmschleimhaut gespeichert und dann freigesetzt, wenn eine Schädigung dieser Zellen z. B. durch die Chemotherapie erfolgt. Durch Aktivierung spezifischer Serotonin-Rezeptoren wird dann das Erbrechen ausgelöst. Hier setzt die Klasse der Serotoninantagonisten an. Diese Substanzen sind so ähnlich gebaut wie das natürliche Serotonin und besetzen an Stelle des Serotonins die Schlüsselstellen an den Rezeptoren. Dadurch wird die Befehlsübertragung zum Brechzentrum unterbrochen und das durch Serotonin vermittelte Erbrechen deutlich reduziert.

Der Neurotransmitter Substanz P gehört zu den sogenannten Neurokininen. Substanz P löst über die Neurokinin-Rezeptoren das Erbrechen aus. Diese Rezeptoren sind in verschiedenen Stellen des Nervensystems, unter anderem im Gehirn in der Nähe des Brechzentrums, zu finden. Eine andere Medikamentenklasse, die Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten, blockiert diese Rezeptoren und kann so in Kombination mit den klassischen Medikamenten die Übelkeit und das Erbrechen weiter verringern.

Die oben genannten Vorgänge spielen eine wichtige Rolle bei der medikamentösen Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen. Eine Blockade dieser beiden Induktionswege stellt die derzeit effektivste Maßnahme gegen Übelkeit und Erbrechen dar. Einem Großteil der Patienten kann so geholfen werden. Obwohl inzwischen viele Vorgänge, die beim Erbrechen eine Rolle spielen, bekannt sind, ist der gesamte Mechanismus immer noch nicht genau aufgeklärt.