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Rheumatoide Arthritis

Mit frühzeitiger und konsequenter Behandlung Folgeschäden verzögern oder sogar verhindern

Beschwerden und Ursachen

Rheumatoide Arthritis – Mögliche Symptome und Verlauf

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische, d. h. mehr als 6 Wochen anhaltende Gelenkentzündung. Durch diese Entzündung können die Gelenke im Laufe der Zeit zerstört und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt werden. Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste chronisch entzündlich-rheumatische Erkrankung und kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten.
Wie eine rheumatoide Arthritis (kurz: RA) verläuft, ist individuell sehr unterschiedlich und daher schwer vorhersehbar. Die Erkrankung kann schleichend beginnen oder abrupt auftreten. Hauptmerkmal stellt eine Entzündung der Gelenke dar. Die Beweglichkeit und die Funktion der betroffenen Gelenke können als Folge dieser Entzündung eingeschränkt sein. Wichtig ist die frühzeitige Diagnose der Krankheit, denn je eher sie erkannt und konsequent behandelt wird, desto besser lassen sich Gelenkschäden verhindern.

Typische Symptome in der Übersicht

  • Hauptmerkmal einer rheumatoiden Arthritis ist eine anhaltende Entzündung der Gelenke (mehr als 6 Wochen). Die Gelenke sind geschwollen und / oder schmerzhaft.
  • Die Steifigkeit der Gelenke ist morgens nach dem Aufstehen stärker ausgeprägt als tagsüber, sie bessert sich durch Bewegung.
  • Die Symptome treten meist zunächst an den Finger- und Handgelenken auf. Manchmal kann die Erkrankung für Jahre ruhen, bevor dann plötzlich schubweise weitere Gelenke dazu kommen, wie etwa Zehen- und Fußgelenke, Ellenbogen, Schulter, Knie, Hüfte und die Halswirbelsäule.
  • Die Beschwerden treten im Verlauf der Erkrankung meist an mehreren Gelenken in einem symmetrischen Muster auf: links und rechts sind also häufig die gleichen Gelenke betroffen.
  • Ein allgemeines Krankheitsgefühl – beispielsweise mit Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, leichtem Fieber und Appetitlosigkeit – kann sich ebenfalls entwickeln.
  • Neben den Gelenken können auch andere Organe betroffen sein, z. B. das Herz-Kreislauf-System, Lunge, Niere, Leber, Haut, Magen-Darm-Trakt, Nervensystem oder Drüsengewebe.

Können auch Kinder betroffen sein?

Ja, Kinder können ebenfalls an einer entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankung leiden – der Fachbegriff für diese Art von Kinderrheuma lautet juvenile idiopathische Arthritis (kurz: JIA). Zu den möglichen Anzeichen für eine chronische Gelenkentzündung bei Kindern zählen unter anderem schmerzhafte, geschwollene und überwärmte Gelenke oder eine andauernd auftretende Morgensteifigkeit von Gelenken. Auch Schmerzen beim Aufstehen, „Hinken“ infolge einer Schonung des betroffenen Beins oder eine veränderte Griffhaltung können Warnsignale sein.

Was passiert bei RA im Gelenk?

Das Immunsystem des menschlichen Körpers spielt bei den Entzündungsprozessen im Gelenk eine große Rolle. Dieses Abwehrsystem hat an sich die Aufgabe, den Körper vor Krankheiten bzw. Krankheitserregern zu schützen. Bei der rheumatoiden Arthritis greifen die Zellen des Immunsystems das eigene Körpergewebe an. Dadurch entzünden sich die Gelenke. Man nennt einen solchen „Angriff“ auf den eigenen Körper auch Autoimmunreaktion.

Trotz intensiver Forschungen sind die genauen Ursachen dieser Fehlsteuerung bisher noch nicht bekannt.  Jedoch ihre Folgen: Im Gelenk kommt es durch ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Entzündungszellen (sogenannten Fresszellen, T- und B-Zellen) und entzündungsvermittelnden Eiweißmolekülen (Zytokinen) zu einer Schleimhautschwellung. Die Gelenkschleimhaut beginnt zu wuchern und bildet knorpel- und knochenzerstörende Substanzen. Aufgrund dieser Veränderungen wird zunächst der gelenknahe Knochen entkalkt. Schreitet die Krankheit fort, kann der Knochen an den Ansatzstellen der Gelenkkapsel zerstört und der Gelenkknorpel abgebaut werden.

Wird die RA nicht ausreichend behandelt, kann es zu Funktionseinschränkungen bzw. zum Funktionsverlust der Gelenke kommen.

Diagnostik

Eine frühe Diagnose ist wichtig, um Gelenkschäden zu vermeiden

Besteht die Vermutung einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, werden betreuende Hausärzte/Hausärztinnen in der Regel eine Überweisung zu einem Rheumatologen/einer Rheumatologin veranlassen.
Die ärztliche Diagnose beginnt meist mit einer Befragung zur
Krankengeschichte („Anamnese“) und einer körperlichen Untersuchung, jeweils unter besonderer Berücksichtigung der Gelenke. Des Weiteren tragen sowohl Laboruntersuchungen als auch bildgebende Verfahren zur Diagnosefindung bei.

Befragung zu den Schmerzen

Vor allem die Fragen „Wo? Wann? Und wie?" sind bei der Einordnung des Symptoms „Schmerz“ von Bedeutung. Der Arzt bzw. die Ärztin sollte zudem erfahren, ob bereits andere Familienmitglieder von einer chronisch-entzündlichen Rheumaform betroffen sind bzw. waren.

Körperliche Untersuchung

Durch das Abtasten der Gelenke wird vor allem festgestellt, ob der / die Patientin an geschwollenen und druck-
schmerzhaften Gelenken leidet und ob Bewegungs-
einschränkungen bestehen.

Laboruntersuchungen

Beispiele für Blutuntersuchungen bei Verdacht auf eine entzündliche Gelenkerkrankung:

  • Messung der Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG) und der Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP)
  • Nachweis von Rheumafaktoren (RF)
  • Bestimmung der Antikörper gegen citrullinierte Peptide (ACPA/CCP-Antikörper)

Bildgebende Verfahren

Die Bildgebung unterstützt den Arzt bzw. die Ärztin bei der Beurteilung des Gelenkzustandes.

  • Die Röntgenuntersuchung stellt neben der körperlichen Untersuchung ein wichtiges diagnostisches Verfahren bei der Erstdiagnose und später auch bei der Verlaufskontrolle der rheumatoiden Arthritis dar. Grundsätzlich lassen sich viele Gelenk- und Knochenschädigungen sowie Gelenkspaltverschmälerungen im Röntgenbild erkennen.
  • Auch Ultraschalluntersuchungen sind wichtige Instrumente. Mit ihrer Hilfe können zum Beispiel eine Entzündung der Gelenkinnenhaut, ein Erguss oder Knochenschäden und Gelenkzerstörungen festgestellt werden.
  • Zu einer weiteren Standardmethode hat sich die Kernspin- oder Magnetresonanztomographie entwickelt. Sie zeigt Veränderungen im Gelenk bereits im Frühstadium der Erkrankung. In der Radiologie oder Rheumatologie tätige Ärzte und Ärztinnen können mit ihrer Hilfe sowohl das Weichteilgewebe als auch den Knochen strahlenfrei und ohne Belastung für ihre Patienten und Patientinnen gut beurteilen. Sowohl Ultraschall als auch Kernspin können zur präzisen Diagnose sowie im Verlauf der Erkrankung zur richtigen therapeutischen Entscheidung beitragen.
  • Der Rheumascan ist eine innovative, bislang aber weniger verbreitete Technik. Sie ermöglicht eine fluoreszenz-optische Darstellung der Hände.: Entzündungen in den Gelenken werden dabei nach Injektion eines fluoreszierenden Farbstoffs mit einem speziellen Kamerasystem sichtbar gemacht. Der Rheumascan hat sich besonders in der Frühdiagnostik bewährt. Inzwischen konnte zudem gezeigt werden, dass er sich ebenfalls zur Verlaufskontrolle eignet.

Ergibt sich durch die genannten Verfahren kein klares Bild, kann eine Gelenkszintigrafie zum Einsatz kommen. Diese ermöglicht ein Screening (eine Filteruntersuchung) des gesamten Körpers auf degenerative Prozesse und Entzündungen hin. Das Verfahren sollte aufgrund der Strahlenbelastung jedoch nur in Ausnahmefällen angewandt werden.

Therapieziele und Medikamente

Therapie-Übersicht und Medikamente

Die rheumatoide Arthritis (RA) ist bisher zwar nicht heilbar, ihr Verlauf lässt sich aber positiv beeinflussen. Wird die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert und früh mit der Behandlung begonnen, kann das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamt oder diese sogar völlig zum Stillstand gebracht werden. 
Das vorrangige (primäre) Ziel der medikamentösen Therapie bei einer frühen RA ist das Erreichen einer Symptomfreiheit (Remission). Bei fortgeschrittenen Krankheitsverläufen gilt es, eine möglichst niedrige Krankheitsaktivität sicherzustellen. Eine medikamentöse Behandlung sollte dementsprechend möglichst frühzeitig begonnen werden. Hierfür stehen heute verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Engmaschige Kontrollen und Anpassungen der Therapie sind häufig notwendig, um an das Behandlungsziel zu gelangen.

Die Behandlung der RA basiert im Allgemeinen auf 3 Säulen:

  • Medikamentöse Behandlung, um den Krankheitsverlauf abzubremsen oder aufzuhalten 
  • Ergotherapie, Physiotherapie und physikalische Maßnahmen, um die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der Gelenke zu erhalten 
  • Operative Maßnahmen als letzte Möglichkeit, wenn kein anderer Behandlungsansatz hilft 

So wird das Therapiekonzept in der Regel für jeden Patienten/jede Patientin individuell maßgeschneidert.
 

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Aufgrund der speziellen Anforderungen ist die Behandlung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen durch einen Kinderrheumatologen/eine Kinderrheumatologin empfehlenswert.

Medikamente

Moderne Medikamente sind im Allgemeinen in der Lage, den Krankheitsverlauf der RA positiv zu beeinflussen und die Beschwerden auch zu lindern. Grundsätzlich gilt: Je früher man mit der Behandlung beginnt, desto größer die Chance, Entzündungsvorgänge in den Gelenken zu beeinflussen und schweren Schäden vorzubeugen.

Zur medikamentösen Behandlung der RA werden häufig sogenannte DMARDs (kurz für disease modifying antirheumatic drugs) eingesetzt. Medikamente dieser Gruppe besitzen krankheitsmodifizierende Eigenschaften.

Zu der Gruppe der DMARDs zählen:

  • konventionell-synthetische DMARDs
  • biologische DMARDs (Biologika)
  • zielgerichtet-synthetische DMARDs

Konventionell-synthetische DMARDs
Biologische DMARDs (Biologika)
Zielgerichtet-synthetische DMARDs
Glukokortikoide (auch bekannt als Kortison-Präparate)
Nicht-steriodale Antirheumatika (NSAR)
Die Wahl des passenden Medikaments

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