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Morbus Crohn

Für Menschen mit Morbus Crohn

Ursachen und Beschwerden

Was ist Morbus Crohn und wie verläuft die Erkrankung?

Morbus Crohn gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei der sich die Schleimhaut des gesamten Verdauungstraktes von der Mundhöhle bis zum After entzünden kann. Am häufigsten befallen ist jedoch der letzte Teil des Dünndarms. Die Erkrankung verläuft in Schüben: Phasen ohne Entzündung wechseln sich mit Phasen mit wenigen oder keinen Beschwerden ab. Der Verlauf der Erkrankung ist von Patient:in zu Patient:in sehr unterschiedlich.

Was genau zum Ausbruch eines Morbus Crohn führt, lässt sich noch nichtabschließend beantworten. Bislang wurden viele verschiedene potenzielle Auslösefaktoren diskutiert, die von einer genetischen Vorbelastung über Umweltfaktoren bis hin zum Lebensstil reichen.

Ursachen und Risikofaktoren von Morbus Crohn
Bekannt ist, dass Morbus Crohn familiär gehäuft auftritt. Kinder von Patient:innen erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit ebenfalls an Morbus Crohn als Kinder, deren Eltern gesund sind. Die Erbanlagen spielen also durchaus eine Rolle bei der Krankheitsentstehung. Mittlerweile wurden auch verschiedene Bereiche innerhalb des Erbguts identifiziert, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen. Allerdings zeigt sich auch, dass nicht die Erbanlagen allein verantwortlich sein können. 

Es ist auffallend, dass Morbus Crohn vermehrt in Ländern mit westlichem Lebensstil auftritt. Beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel kann ein erhöhtes Risiko bestehen, wie beispielsweise bei gefrorenen oder lagerstabilen verzehrfertigen / warmen Mahlzeiten, Industriekäse oder Fertigsoßen.

Abwehr im Darm gerät aus dem Gleichgewicht

Auch das Immunsystem spielt bei der Entstehung von Morbus Crohn eine Rolle. Bei Betroffenen ist die Barrierefunktion der Darmschleimhaut gestört, sodass Darmbakterien sich auf der Darmwand ansiedeln können und eine Immunreaktion auslösen, die zu einer chronischen Entzündung im Darm führt.

Erste Anzeichen und weiterer Verlauf

Die Erkrankung beginnt häufig schleichend. Erste Symptome eines Morbus Crohn sind häufig zunächst Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfälle. Viele Betroffene fühlen sich zudem müde und abgeschlagen. Eine zuverlässige Aussage zum weiteren Verlauf kann nicht gestellt werden: dieser kann sehr unterschiedlich ausfallen und lässt sich für den einzelnen Patienten bzw. die einzelne Patientin nicht vorhersagen. Zudem verläuft die Erkrankung schubweise, d. h. Phasen mit mehr oder weniger starken Beschwerden wechseln sich mit Phasen ab, in denen die Betroffenen keine oder nur wenige Symptome aufweisen.

Symptome bei Morbus Crohn

Zu den möglichen Beschwerden der Erkrankung zählen:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfälle
  • Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Stenosen (Darmverengungen)
  • Fisteln (entzündliche Gangbildungen)

Wie diagnostiziert man Morbus Crohn?

Bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sollte ein / eine Gastroenterolog:in, also ein Facharzt bzw. eine Fachärztin für diese Erkrankungen, hinzugezogen werden; Kinder-Gastroenterolog:innen sind zudem auf die Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert.

Die Erstdiagnose eines Morbus Crohn wird im Wesentlichen aufgrund des klinischen Erscheiningsbildes und des typischen Krankheitsverlaufs gestellt. Zudem werden bildgebende Diagnostiken sowie Laboruntersuchungen durchgeführt.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können diese Untersuchungen erneut notwendig werden, wenn beispielsweise bei einem akuten Schub Ausmaß, Befallsmuster und Schweregrad erneut beurteilt werden müssen.

Krankheitsgeschichte und körperliche Untersuchung

Im Rahmen der Anamnese lässt sich der Arzt bzw. die Ärztin aktuelle Beschwerden schildern und fragt nach früheren oder begleitenden Erkrankungen sowie nach Auffälligkeiten in der Familie. Weitere wichtige Bestandteile der Anamnese sind unter anderem Medikamenteneinnahmen, Tabakkonsum, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Erfragung des Impfstatus und nach kürzlich durchgeführten Reisen. Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt bzw. die Ärztin auch Ihren Bauch ab und kann bereits Befunde erheben, die auf Morbus Crohn hinweisen können. Hierzu zählen etwa Druckschmerz und Verhärtungen der Bauchdecke.

Des Weiteren können möglicherweise auch Veränderungen außerhalb des Verdauungstraktes (beispielsweise an Mund, Haut, Augen und / oder Gelenken) auftreten. Es können sich unter Umständen wunde Stellen, Hauteinrisse oder Eiteransammlungen in der Umgebung des natürlichen Darmausgangs bzw. des Schließmuskels erkennen lassen.

Bei Kindern und Jugendlichen können auch Wachstumsstörungen unter Umständen die ersten Hinweise auf einen Morbus Crohn sein.

Bildgebende Verfahren

Darmspiegelung (Koloskopie)
Magenspiegelung (Gastroskopie)
Computer (CT)- und Magnetresonanz-Tomografie (MRT)
Kapselendoskopie
Ultraschall
Laboruntersuchungen

Die Therapie

So unterschiedlich Morbus Crohn verlaufen kann, so vielfältig sind auch die Behandlungsmöglichkeiten
Das eine Medikament, das eine Verfahren, das alle Probleme beim Morbus Crohn löst, gibt es leider nicht. Deshalb versuchen Ihre Ärzt:innen, aus einer Vielzahl von Maßnahmen diejenigen herauszufinden, die das individuell beste Therapieergebnis bringen. 

    Die Erkrankung einzudämmen ist möglich – Heilung jedoch nicht. Falls die Erkrankung mit Hilfe von Medikamenten nicht in den Griff zu bekommen ist, kann auch eine Darmoperation zur Öffnung von Darmverengungen oder bei schwerer Erkrankung auch die Entfernung von Darmanteilen zur Besserung der Symptomatik verhelfen. Unkonventionelle komplementäre Verfahren können die Behandlungsstrategie begleiten. Jeder Patient bzw. jede Patientin sollte ein maßgeschneidertes Therapiekonzept bekommen, das auch Begleiterkrankungen, individuelle Risikofaktoren und die Lebensumstände berücksichtigt.

    Therapieziele – was soll erreicht werden?

    Krankheitskontrolle: Bei diesem wesentlichen Ziel gilt es, die Entzündung möglichst früh einzudämmen und eine beschwerdefreie Phase, die sogenannte Remissionsphase, möglichst ohne dauerhafte Einnahme von Kortikosteroiden („Kortison“) zu erreichen. Wichtig ist außerdem, etwaige Beschwerden außerhalb des Darms (extraintestinale Symptome) zu behandeln.

    Remissionserhalt: Ist eine beschwerdefreie Phase erreicht, sollte diese, so gut es geht, erhalten werden.

    Mukosaheilung: Selbst, wenn der akute Schub unter Kontrolle ist und eine beschwerdefreie Phase erreicht wurde, können entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut (Mukosa) bestehen bleiben. Heute weiß man, dass derartige Restbefunde für eine schlechtere Prognose im weiteren Verlauf stehen können. Es erscheint sehr wichtig, die Schleimhaut dauerhaft in einem gesunden Zustand zu erhalten, um Komplikationen, Erkrankungsschübe und chirurgische Eingriffe möglichst zu verhindern.

    Normale Entwicklung: Bei Kindern und Jugendlichen ist das normale Heranwachsen ein weiteres wesentliches Ziel der Behandlung. So gilt es, die Auswirkungen der Erkrankung selbst, aber auch der einzuleitenden Therapie auf das Wachstum und die psychosoziale Entwicklung zu beachten.

    Normale Lebensqualität: Viele Morbus Crohn-Patient:innen leiden insbesondere unter den psychosozialen Aspekten der Erkrankung. Ein wichtiges Therapieziel ist daher, die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern. Hierbei kann eine Psycho- oder Gesprächstherapie hilfreich sein.

    Individuelles Therapiekonzept

    Vor Beginn einer Therapie sollten die Vor- und Nachteile der Behandlungsoptionen besprochen werden. Auf dieser Basis kann der / die behandelnde Gastroenterolog:in gemeinsam mit Ihnen eine langfristige Strategie erarbeiten.

    • Berücksichtigung finden dabei die individuellen Patient:innencharakteristika wie z. B. Wirkungen und Nebenwirkungen früherer Therapien sowie das Vorliegen von Symptomen außerhalb des Magen-Darm-Traktes.
    • Das entwickelte Therapiekonzept sollte schriftlich festgelegt werden. So wissen andere Ärzt:innen, die Sie mitbetreuen, ebenfalls Bescheid.
    • Die Notwendigkeit einer remissionserhaltenden Therapie einschließlich der Medikamentenwahl und Dauer sollte unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufes, des spezifischen Risikoprofils und anhand der Patient:innenpräferenz festgelegt werden.
    • Zudem empfindet jeder Betroffene die Erkrankung anders. Daher sollten auch weitere Faktoren wie das Vorliegen depressiver Symptomatiken, Einschränkungen in der Lebensqualität oder Erwerbsfähigkeit bei Erstellung des Therapiekonzeptes berücksichtigt werden.

    Wichtig – Erfolgsfaktor Therapietreue

    Die Therapietreue ist ein entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf der Erkrankung. Bis zu 45 % der Betroffenen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung befolgen nicht gänzlich den ärztlich verordneten Behandlungsplan, was zu einer verstärkten Symptomlast bzw. zum Wiederauftreten der Erkrankung führen kann. Falls Sie Bedenken bezüglich der Einnahme der verordneten Medikamente haben oder Sie mehr über ihre Therapie oder Erkrankung wissen möchten, sprechen Sie ihren Arzt oder ihre Ärztin an. Zudem sollten Sie nach Therapiebeginn oder -wechsel das Therapieansprechen innerhalb der ersten 3 Monate von ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin überprüfen lassen.

    Mögliche Arzneimittel zur Behandlung des Morbus Crohn bei Erwachsenen

    Folgende Medikamente können abhängig vom Krankheitsverlauf, der Krankheitsaktivität, der Wirksamkeit und Verträglichkeit vorangegangener Behandlungsversuche sowie allgemeiner Begleitumstände im jeweiligen individuellen Fall eingesetzt werden:

    Gibt es eine Crohn-Diät?

    Ab Diagnosestellung und im weiteren Verlauf der Erkrankung sollte mindestens einmal pro Jahr eine Ernährungsberatung durch eine qualifizierte Fachkraft erfolgen. Falls dabei eine Unter- oder Mangelernährung festgestellt wird, so sollte zeitnah eine Ernährungstherapie durchgeführt werden. Zudem sollten Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten abgefragt werden, da diese für die Magen-Darm-Beschwerden mitverantwortlich sein können.

    Im Prinzip sind alle Vollkostformen geeignet. Somit können in beschwerdefreien Phasen, wenn keine Krankheitsaktivität und keine Komplikationen vorliegen, im Allgemeinen die „10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“ (www.dge.de) als Leitfaden für eine gesunde und ausgewogene Ernährung dienen.

    Im akuten Schub kann eine ausschließlich enterale Ernährung (Sondennahrung) als primäre Therapie zur Einleitung der Remission durchgeführt werden, wenn

    • die Remission durch die medikamentöse Therapie nicht erreicht werden kann.
    • die medikamentöse Therapie nicht oder schlecht vertragen wird oder
    • wenn der / die Patient:in die medikamentöse Therapie ablehnt.

    Des Weiteren kann die Sondennahrung auch teilweise oder komplett zur Erhaltung der Remission eingesetzt werden.

    Alltagstipps

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