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Kopf-Hals-Tumoren

Kopf-Hals-Tumoren

Was sind Kopf-Hals-Tumoren?

Unter dem Begriff Kopf-Hals-Tumoren werden verschiedene Krebserkrankungen des Kopfes und des Halsbereiches zusammengefasst. Darunter finden sich bösartige Tumoren: 

Ansicht des Kopf-Hals Bereiches mit hervorgehobenem Kehlkopf
  • der Nasennebenhöhlen
  • der Nase
  • der Mundhöhle, insbesondere der Lippen, der Zunge, des Mundbodens, des Gaumens, der Wangen oder der Speicheldrüsen
  • des Rachens (Pharynxkarzinom)
  • des Kehlkopfes (Larynxkarzinom) 

Im Jahr 2013 erkrankten etwa 13.000 Männer und 4.500 Frauen in Deutschland an Kopf-Hals-Tumoren. Durch die immer älter werdende Bevölkerung und steigende Erkrankungsraten bei Frauen wird bis 2020 eine weitere Zunahme der Erkrankung auf 14.300 Männer und 5.500 Frauen erwartet.

Durch welche Faktoren erhöht sich das Risiko an Kopf-Hals-Tumoren zu erkranken?

Es gibt einige Risikofaktoren, die die Entstehung bösartiger Tumoren im Kopf-Hals-Bereich begünstigen können. Zu den wichtigsten gehören:

  • Rauchen: Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für Kopf-Hals-Tumoren, insbesondere Kehlkopfkrebs. Abhängig von der Zigarettenmenge erkranken Raucher deutlich häufiger als Nichtraucher. Alkohol kann die negativen Auswirkungen des Rauchens zusätzlich verstärken.
  • Alkohol: Regelmäßiger, hochprozentiger Alkoholkonsum ist ein weiterer Risikofaktor, insbesondere für Mundhöhlenkrebs und Rachenkrebs. Eine Kombination von Tabak- und Alkoholkonsum kann das Risiko weiter erhöhen.
  • HPV-Viren: Humane Papillomviren werden in vielen Fällen mit Tumoren im Nasen- und Rachenbereich in Verbindung gebracht. Diese Viren, die ebenfalls bei der Entstehung des Gebärmutterhalskrebses eine Rolle spielen, sind ein zusätzlicher Faktor, lösen das Karzinom aber nicht aus. Gleiches gilt auch für mehrere andere Viren. Die steigenden Raten von Rachenkrebs, auch bei jüngeren Patienten, könnten mit den steigenden Neuerkrankungsraten mit dem humanen Papillomvirus (HPV) in Zusammenhang stehen.
  • Schadstoffe: Der Umgang mit Asbest, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen oder chrom- und nickelhaltigen Farben, z.B. im beruflichen Umfeld, kann ebenfalls die Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren begünstigen.

Ebenfalls von Bedeutung für das Erkrankungsrisiko sind UV- und radioaktive Strahlung, schlechte Mundhygiene oder ein geschwächtes Immunsystem sowie chronische Verletzungen der Schleimhäute.

Was für Symptome verursachen Kopf-Hals-Tumoren?

Auch Kopf-Hals-Tumoren können frühzeitig entdeckt werden. Besonders Menschen, die zu den oben erwähnten Risikogruppen gehören, sollten auf Warnzeichen achten und frühzeitig zum Arzt gehen, wenn sie die folgenden Beschwerden wahrnehmen.

Frühe Anzeichen für Rachenkrebs und Kehlkopfkrebs sind:

Älterer Herr sitzt einem Arzt gegenüber und fasst sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Hals
  • Schluckbeschwerden
  • Ein Fremdkörpergefühl oder Kloß im Hals
  • Schmerzen, die ins Ohr ausstrahlen
  • Husten, auch mit Blutauswurf
  • Heiserkeit
  • Kratzender Hals oder Halsschmerzen
  • Knoten am Hals

Krebserkrankungen der Mundhöhle beginnen oft mit einer wunden Stelle in der Mundhöhle (Ulcus), die auch nach zwei Wochen nicht abheilt. Auch weißliche, nicht abwischbare Stellen im Mund können eine Frühform von Mundhöhlenkarzinomen darstellen.

Weitere frühe Erkennungszeichen sind:

  • Leicht blutende Wunden in der Mundhöhle
  • Beschwerden beim Schlucken
  • Sprechbeeinträchtigung
  • Schmerzen beim Sprechen
  • Ein Kloßgefühl im Bereich der Zunge oder des Mundbodens
  • Atemnot
  • Länger bestehender Mundgeruch

Viele der genannten Symptome sind nicht nur typisch für Tumore, sondern können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Sollten die Symptome auch nach zwei bis drei Wochen nicht abgeklungen sein, auch wenn sie behandelt wurden, sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohrenarzt, Zahnarzt oder Facharzt für Mund-, Kiefer oder Gesichtschirurgie zu Rate ziehen. Je früher Kopf-Hals-Tumoren festgestellt werden, desto besser sind die Behandlungsaussichten.

Wie werden Kopf-Hals-Tumoren diagnostiziert?

Die Diagnose Kopf-Hals-Tumoren wird anhand verschiedener diagnostischer Verfahren gestellt. Je nachdem, in welchem Bereich sich der Tumor befindet, kann dies z.B. ein HNO-Arzt oder Kieferchirurg sein. Zur Diagnosestellung können unterschiedliche Verfahren zum Einsatz kommen:

Anamnese: Im Rahmen eines ausführlichen Gespräches werden die aktuellen Beschwerden detailliert vom Arzt erhoben. Auch Einzelheiten, die dem Betroffenen selbst vielleicht als unwichtig erscheinen, sollten berichtet werden. Besonders wichtige Punkte in der Anamnese sind: Wie lange dauern die Beschwerden bereits an, gibt es Vor- und Begleiterkrankungen oder Risikofaktoren? Hier sollten alle Medikamente genannt werden, die derzeit eingenommen werden, auch rezeptfreie.

Klinische Untersuchung: Der Arzt wird sich die verdächtige Stelle genau ansehen und wird sie sowie das umliegende Gewebe bei Zugänglichkeit abtasten, auch um mögliche Tochtergeschwülste im Bereich der benachbarten Lymphknoten zu entdecken. Mit Hilfe von Spiegeln können auch Teile der Ohren und Nasenhöhle, tiefere Rachenbereiche und der Kehlkopf untersucht werden.

Endoskopie: Durch eine Spiegelung (Endoskopie) der oberen Luft- und Speisewege erhält der Arzt weitere Hinweise, ob ein Tumor vorliegt und wie weit er sich bereits ausgebreitet hat. Die Spiegelung erfolgt unter Narkose.

Gewebeentnahme (Biopsie): Während der Spiegelung kann der Arzt Gewebeproben an verdächtigen Stellen nehmen, die anschließend mikroskopisch analysiert werden. An gut erreichbaren Stellen, z.B. im Mund, kann auch Gewebe unter örtlicher Betäubung entnommen werden. Das entnommene Gewebe wird von einem Pathologen unter dem Mikroskop untersucht, der dann eine endgültige Diagnose stellt.

Eine Ärztin zeigt einem Patienten, der auf der Behandlungsliege liegt, etwas auf dem Ultraschall-Monitor

Weitere diagnostische Verfahren: Mit Hilfe von Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT; auch Kernspintomografie genannt) kann die Ausbreitung des Tumors noch präziser bestimmt werden. Auch kann untersucht werden, ob der Krebs bereits in umliegende Knochen, Gewebe oder andere Organe gestreut hat, indem er Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen gebildet hat. 

Wichtig ist: Eine Behandlung lässt sich nur dann sinnvoll durchführen, wenn genau untersucht wurde woran der Patient leidet. Daher ist es hilfreich ohne vorgefertigte Meinung in die Diagnostik zu gehen und sich erst nach Abschluss aller Maßnahmen und der Vorstellung aller möglichen Therapien zu entscheiden. Sollten Sie Zweifel oder Bedenken haben, holen Sie sich eine zweite Meinung bei einem anderen Spezialisten ein.

Welche Arten von Kopf-Hals-Tumoren gibt es?

Unter dem Begriff Kopf-Hals-Tumoren werden verschiedene Tumorerkrankungen des Kopf- und Halsbereiches zusammengefasst (siehe Abschnitt Was sind Kopf-Hals-Tumoren?) Dementsprechend unterschiedlich sind auch Art und Ausbreitung der Tumoren. Anhand einer Gewebeprobe aus dem Tumor kann der Pathologe die feingewebliche Diagnose unter dem Mikroskop stellen. Dabei ist häufig zu erkennen, von welchem Gewebe der Tumor seinen Anfang genommen hat. In den meisten Fällen gehen Kopf-Hals-Tumoren von Oberflächenzellen aus, dann handelt es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome, z.B der Mundhöhle, des Rachens oder Kehlkopfes. Weniger häufig treten bösartige Tumoren des Drüsengewebes auf, diese werden Adenokarzinome genannt. Handelt es sich um Weichteilgewebe, spricht man von Sarkomen. Gutartige Tumoren wachsen an ihrem Entstehungsort, zerstören das umgebende Gewebe nicht und bilden auch keine Metastasen. Bösartige Tumoren wachsen in das umgebende Gewebe ein und zerstören es. Zudem bilden bösartige Tumoren auch Tochtergeschwülste (Metastasen), die an anderen Stellen im Körper auftreten können. Bei Kopf-Hals-Tumoren beschränken sich die Metastasen meist auf die Lymphknoten im Halsbereich. Seltener können Sie aber auch in Knochen, Lunge oder Leber auftreten.

Welche Krankheitsstadien gibt es bei Kopf-Hals-Tumoren?

Für die Wahl einer geeigneten Behandlung ist es wichtig den Tumor möglichst genau zu kennen. Dazu gehört Wissen über den Zelltyp des Krebses, wie bösartig er ist, wie weit und schnell er sich bereits ausgebreitet hat und ob bereits andere Bereiche oder Organe im Körper betroffen sind.

Für den Arzt gibt es eine internationale, einheitliche TNM-Klassifikation:

  • T: steht für Tumor und beschreibt seine Größe und Ausdehnung.
  • N: steht für Nodi (= Knoten) und beziffert die Anzahl und Lokalisation der befallenen Lymphknoten.
  • M: steht für Metastasen und beschreibt das Auftreten von Fernmetastasen, also Tochtergeschwulsten in anderen Organen des Körpers.

Mithilfe von Indexzahlen wird näher beschrieben, wie weit sich die Erkrankung bereits ausgebreitet hat. Dabei ist die TNM-Klassifikation für jeden Tumor und jedes Organ unterschiedlich. Aus Klassifikation und Indexierung kann ein genaues Tumorstadium abgeleitet werden. Die Tumorstadien werden mit den römischen Ziffern eins bis vier angegeben. Auf Basis aller genannten Erkenntnisse kann der Arzt die Prognose und Therapieoptionen abwägen.

Welche Therapieoptionen gibt es bei Kopf-Hals-Tumoren?

Ist die Diagnose Kopf-Hals-Tumoren gesichert, sollte zügig mit einer Behandlung begonnen werden. Je nach Art, Größe, Ausbreitungsgrad, aber auch abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, können sich die Behandlungen unterscheiden.

Operation

Wenn irgendwie möglich, sollte der Tumor komplett operativ entfernt werden. Auch befallene Halslymphknoten sollten möglichst entfernt werden. Bei ausgedehnten oder ungünstig gelegenen Tumoren ist mit kosmetischen Beeinträchtigungen durch die Operation zu rechnen. Diese können meist später mit plastischer Chirurgie gebessert oder sogar behoben werden. Bei Kehlkopfkrebs ist es immer das Ziel den Kehlkopf möglichst zu erhalten, was allerdings in vielen Fällen leider nicht möglich ist.

Strahlentherapie

Wenn bei der Operation nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt werden konnte oder der Tumor bereits gestreut hat, kann bei bestimmten Tumoren im Anschluss an die Operation eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen. Eine Bestrahlung kann auch in seltenen Fällen vor der Operation in Betracht kommen, dann meist in Kombination mit Chemotherapie (Radiochemotherapie), um die Erfolgsaussichten der Operation zu verbessern, oder wenn der Tumor aus medizinischen oder anderen Gründen nicht operiert werden kann.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie wird bei nicht-operablen Kopf-Hals-Tumoren in der Regel mit einer Bestrahlung kombiniert (Radiochemotherapie). Als alleinige Therapie kommt Chemotherapie nur bei Rückfällen, oder wenn der Tumor bereits gestreut hat, zur Anwendung. Bei einer Chemotherapie verteilen sich die Medikamente im ganzen Körper und wirken auch auf Tumorzellen, die sich bereits an anderer Stelle ausgebreitet haben. Eine Chemotherapie zieht leider aber auch immer gesunde Zellen in Mitleidenschaft. Dadurch kann es zu Nebenwirkungen kommen. Viele Nebenwirkungen (z.B. Überlkeit, Erbrechen oder Durchfall) können heutzutage aber durch begleitende Therapien meist gelindert werden.

Zielgerichtete Therapie

Im Gegensatz zu Chemotherapeutika greifen zielgerichtete Therapien, wie der Name bereits sagt, gezielt in Signalvorgänge der Krebszellen ein. Durch die Blockade von Bindungstellen für Wachstumsfaktoren wird das Tumorwachstum gestört. Zusätzlich erhöht sich die Empflindlichkeit gegenüber Chemo- und Strahlentherapie.

Immunonkologische Therapie

Eine Krankenschwester schließt einen Infusionsbeutel an.

Immuntherapeutische Wirkstoffe zielen darauf ab, das körpereigene Immunsystem für den Kampf gegen den Krebs stark zu machen und zu reaktivieren. Immunzellen, die von den Krebszellen ausgetrickst und an ihrer Abwehrfunktion gehindert werden, können so wieder in die Lage versetzt werden, die Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen – das Immunsystem wird sozusagen reaktiviert. Die Wirkstoffe, die dabei zum Einsatz kommen, werden Checkpoint-Hemmer oder -Inhibitoren genannt.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.krebsinformationsdienst.de sowie www.krebshilfe.de.