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Lungenvorsorge betrifft jeden – ein Interview mit Prof. Dr. med. Eckart Laack

Prof. Dr. med. Eckart Laack ist Facharzt für Innere Medizin in Hamburg und ausgewiesener Experte für die Behandlung von Lungenkrebs. Im Interview erklärt er, wie wir unsere Lunge selbst aktiv wahrnehmen können und was Lungenvorsorge bedeutet.

Herr Prof. Laack, die Lunge ist ein wichtiges Organ, das ist bekannt – nicht zuletzt seit dem Ausbruch von SARS-CoV-2. Doch warum ist eine gesunde Lunge so wichtig?

Prof. Dr. Eckart Laack: Das ist eine sehr gute Frage (lacht). Eine gesunde Lunge ist wichtig, damit alle Organe des Körpers ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. In der Lunge findet der Gasaustausch statt. Das heißt, der eingeatmete Sauerstoff wird ins Blut aufgenommen und dann mit dem Blut im Körper verteilt. So werden die Organe und das Gewebe ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Gleichzeitig wird mit der Aufnahme des Sauerstoffs Kohlendioxid – ein Abbauprodukt der Organe und Zellen – wieder abgeatmet. Um eine gute Sauerstoffversorgung der Organe im Körper sicherzustellen, ist eine gute Lungenfunktion ganz wichtig.

Wir wollen natürlich, dass unsere Lunge bis ins hohe Alter gut funktioniert. Was kann man dafür tun?

Prof. Dr. Eckart Laack: Wichtig ist, dass man die Lunge möglichst vor Schädigungen schützt, wie das Rauchen. Im Tabakrauch sind mehrere Hundert giftige und über 90 krebserregende Stoffe enthalten. Auch das Passivrauchen kann bereits schädlich sein. Außerdem können Schadstoffe am Arbeitsplatz die Lunge schädigen. Denken Sie zum Beispiel an den Bergbau früher oder an die Asbest-verarbeitende Industrie.

Andererseits gibt es auch Infektionen, die die Lunge angreifen können. Daher ist es wichtig, dass es nicht zu immer wieder auftretenden Infektionen kommt, wie Lungenentzündungen oder Entzündungen der Schleimhaut in den unteren Atemwegen, sogenannte Bronchitiden. Sollte man eine Lungenvorerkrankung haben, wie zum Beispiel ein Asthma bronchiale, sollte man Infekte behandeln lassen, damit es zu keinen langfristigen Schäden der Lunge kommt.

Was können Warnsignale für ernste Lungenerkrankungen, wie Lungenkrebs, sein?

Prof. Dr. Eckart Laack: Es gibt für Lungenkrebs keine Frühwarnsignale. Oft diagnostizieren wir die Erkrankung erst, wenn sie schon nicht mehr operabel, also weit fortgeschritten, ist. Und das liegt unter anderem daran, dass es zum Beispiel in den Bronchien oder im Lungengewebe keine Schmerzempfindungsrezeptoren gibt. Das heißt, der Tumor kann wachsen, ohne dass er Schmerzen verursacht. Er macht dann Schmerzen, wenn er zum Beispiel ins Rippenfell einwächst. Jeder, der einmal eine Rippenfellentzündung hatte, weiß, das tut wahnsinnig weh. Aber da muss der Tumor erstmal hinwachsen.

Häufig sind es eher unspezifische Symptome: Die PatientInnen sind abgeschlagen, müde oder sie haben einen vermehrten Husten und sind kurzatmig. Wenn die PatientInnen Blut husten, dann ist es meist schon ein eher fortgeschrittener Tumor. Auch Fieber kann ein Symptom sein, wenn sich durch den Tumor eine Lungenentzündung gebildet hat – auch dann ist die Erkrankung schon fortgeschritten.

Oder es sind Metastasen, die Beschwerden machen. Plötzlich Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen. Stellt man die Diagnose Hirnmetastasen, sucht man anschließend den Primärtumor und findet ihn in der Lunge. Auch bei PatientInnen mit Knochenbeschwerden kann der Grund ein Primärtumor in der Lunge sein.

All das sind aber unspezifische Symptome. Und gerade da es keine Frühwarnsignale für Lungenkrebs gibt, sind die Prävention, also die Vorbeugung und die Früherkennung, wichtige Felder.

Und zur Prävention zählt kein aktives Rauchen, kein passives Rauchen, und keine Schadstoff am Arbeitsplatz.

Prof. Dr. Eckart Laack: Genau, die Nummer eins ist die Tabak-Prävention.

Tipp: Nicht nur Zigaretten, sondern auch Wasserpfeifen und E-Zigaretten können zu einer kurz-, mittel- oder langfristigen Lungenschädigung führen.
 

Wenn ein Patient mit einem der oben genannten Symptomen zu Ihnen kommt, wie sähe die Untersuchung dann aus?

Prof. Dr. Eckart Laack: Wenn Patienten mit Beschwerden zu uns kommen, würden wir ein Röntgenbild machen. Wenn auf dem Röntgenbild etwas sichtbar ist oder der Verdacht bestehen bleibt, würde man eine Computertomografie machen. Eine Computertomografie von der Lunge und auch dem Oberbauch, um Leber und Nebennieren anzuschauen. Und wenn man auf dem Röntgenbild oder auf der Computertomografie der Organe im Brustraum eine sogenannte Raumforderung sieht, würde man eine Lungenspiegelung, eine sogenannte Bronchoskopie, durchführen, um aus dieser Raumforderung eine Probe zu entnehmen.

Hier kommt der Pathologe ins Spiel. Er untersucht das Gewebe und bestimmt, ob es sich um Lungenkrebs handelt und um welche Art. Abhängig von der Diagnose wird dann entschieden, ob beispielweise eine Operation in Frage kommt oder ob wir zielgerichtet behandeln können. Der Pathologe ist ein ganz wichtiger Part in der Diagnostik, da er sehr viele Informationen über den Tumor gibt. Jeder Mensch ist individuell und so ist auch jede Krebserkrankung individuell. Daher ist in der Onkologie die Therapie genau auf den Patienten zugeschnitten. Hierbei fließen viele Informationen über den Patienten ein: Was für Begleiterscheinungen hat er, welche Medikamente nimmt er ein? Welche Wünsche und Vorstellungen hat er bezüglich der Behandlung? Dies muss alles mit den Ergebnissen des Pathologen in Einklang gebracht werden, um zu entscheiden, welche Therapie für diesen Patienten geeignet ist.

Mehr zum Thema und wie es bei Verdacht auf Lungenkrebs weitergeht, erfahren Sie in unserem Beitrag Lungenkrebs.

Bleiben wir bei dem Thema Prävention. Was tun Sie selbst, um Ihre Lunge fit zu halten?

Prof. Dr. Eckart Laack: Natürlich rauche ich nicht, und ich versuche auch, mich vom Passivrachen fernzuhalten.

Aber das Wichtigste ist für mich Bewegung. Pro Woche sollte man sich mindestens 150 Minuten moderat bewegen. Ob man nun joggt, walkt, schwimmt, Fahrrad fährt oder Treppen steigt, ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass man die Lunge und den Kreislauf fordert und dass man durch Bewegung tief ein- und ausatmet und auch die unteren, die basalen Lungenabschnitte mit ventiliert, damit die Lunge eine gute Funktion für den Gasaustausch hat.

Insbesondere in einem hektischen Alltag kann es schwer sein, Bewegung zu integrieren. Mir hilft hier insbesondere mein Hund. Zweimal täglich gehe ich mit ihm bei Wind und Wetter durch den Wald spazieren. Ein Hund ist auch nicht nur für die Lunge gut, sondern auch für die Seele (lacht).

Das ist ein sehr guter Tipp. Vielen Dank für das informative Interview, Prof. Laack.

Prof. Laack unterstützt das Projekt Nichtrauchen ist cool. Prävention der Nikotinsucht bei Kindern und Jugendlichen in Hamburg. Seit 2005 informiert der Verein zehn- bis dreizehnjährige Schüler über die Risiken des Rauchens. An dem Projekt haben bisher über 200.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen.

Mehr Informationen unter: www.nichtrauchen-ist-cool.de

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