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Blasenkrebs / Urothelkarzinom

Blasenkrebs / Urothelkarzinom

Die Diagnose Blasenkrebs stellt das Leben vieler Betroffener völlig auf den Kopf. Ein Gefühl von Hilflosigkeit, Angst, Trauer oder sogar Wut ist eine häufige Reaktion darauf. „Wie geht es weiter?“ und „was kann ich tun?“ sind nur zwei der vielen Fragen, die nach einer Krebsdiagnose im Kopf der Betroffenen herumschwirren.

Im Folgenden haben wir für Patienten und ihre Angehörigen die wichtigsten Informationen zu Blasenkrebs zusammengefasst, um einige ihrer Fragen zu beantworten.

Was ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs bzw. das Harnblasenkarzinom ist ein bösartiger Tumor in der Harnblase und die häufigste Krebserkrankung des Harntraktes. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 30.000 Menschen neu an Blasenkrebs. Bei den meisten geht der Tumor dabei von der Schleimhaut der Harnblase aus – auch Urothel genannt. Fachleute sprechen in diesen Fällen von einem Urothelkarzinom.

Doch nicht jedes Urothelkarzinom ist Blasenkrebs, weswegen sich die Begriffe nicht gleichsetzen lassen. Urothel kommt nicht nur in der Harnblase vor. Auch die ableitenden Harnwege (Harnleiter), die Harnröhre und die Nierenbecken sind damit ausgekleidet und können von einem Urothelkarzinom betroffen sein. Bei etwa 90 % aller Betroffenen entsteht der Krebs allerdings direkt in der Harnblase.

Generell unterscheidet man bei Blasenkrebs zwischen dem nicht-muskelinvasiven und dem muskelinvasiven Harnblasenkarzinom.

  • Um ein nicht-muskelinvasives Harnblasenkarzinom handelt es sich, wenn die Krebszellen in der Blase nur oberflächlich wachsen.
  • Muskelinvasive Harnblasenkarzinome sind Tumoren, bei denen die Krebszellen in die Muskelschicht der Blase hineinwachsen.

Bei 7 von 10 Betroffenen liegt zum Zeitpunkt der Diagnose nicht-muskelinvasiver Blasenkrebs vor – der Tumor ist also auf die Schleimhaut bzw. das Urothel begrenzt. Die nachfolgende Abbildung zeigt den Aufbau der Blase. Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

Wer kann von Blasenkrebs betroffen sein?

2016 erkrankten in Deutschland 12.220 Männer und 4.250 Frauen neu an einem muskelinvasiven Harnblasenkarzinom. Das bedeutet, dass bei ihnen der Krebs in die tieferen Schichten der Harnblasenwand eingewachsen war. Bei rund 13.500 Menschen wurde ein nicht-invasives papilläres Karzinom oder ein in situ-Tumor der Blase diagnostiziert. Das heißt, dass sich bei ihnen der Krebs noch in einem früheren Krankheitsstadium mit oberflächlichem Wachstum des Tumors befand.

Insgesamt tragen Männer ein größeres Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken, als Frauen. Männer und Frauen erkrankten 2016 im Median in einem ähnlichen Alter: Männer mit 74 und Frauen mit 75 Jahren (invasive Harnblasenkarzinome oder nicht-invasive papilläre Karzinome sowie in-situ-Tumoren).

Wie kann es zu einer Blasenkrebserkrankung kommen?

Bis heute wurde nicht eindeutig geklärt, wieso ein Mensch an Blasenkrebs erkrankt. Es wurden jedoch einige Faktoren nachgewiesen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können.

Als wichtigster Risikofaktor gilt das Rauchen. Etwa 30 bis 70 % aller Blasenkrebserkrankungen sollen laut Experten auf das Rauchen zurückzuführen sein. Grund dafür ist, dass Zigarettenrauch zahlreiche krebserregende Substanzen enthält. Beim Rauchen gelangen diese ins Blut und werden von der Niere aus dem Blut herausgefiltert. Zusammen mit dem Urin gelangen sie daraufhin in die Blase und schädigen dort das Organ, bis sie mit dem Urin ausgeschieden werden. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem:

  • Bestimmte Chemikalien (krebsfördernde Stoffe, mit denen man auch bei einigen beruflichen Tätigkeiten in Kontakt kommt)
  • bestimmte Medikamente (die z. B. als unerwünschte Nebenwirkung die Blase schädigen können)
  • chronische Infektionen der Blasenschleimhaut
  • Bestrahlung (beispielsweise im Rahmen von Strahlentherapie bei Krebspatienten)
  • In seltenen Fällen kann eine erbliche Veranlagung zu Blasenkrebs führen.

Welche Symptome können auf Blasenkrebs hinweisen?

Leider gibt es bei einem Harnblasenkarzinom keine eindeutigen Warnzeichen, die auf die Erkrankung hinweisen. Beschwerden oder Auffälligkeiten, die wahrgenommen werden, können mit unterschiedlichen Krankheiten in Verbindung stehen. Umso wichtiger ist es darum, dass Sie bei Symptomen zeitnah Ihren Hausarzt oder einen Urologen aufsuchen, um eine Krebserkrankung ausschließen zu können. Einen Urologen in Ihrer Nähe finden Sie beispielsweise hier.

Folgende Anzeichen sollten Sie von einem Arzt untersuchen lassen:

  • Blut im Urin, das sich durch eine rötliche bis braune Verfärbung des Urins äußert
  • Häufige Blasenentzündungen
  • Verstärkter Harndrang, bei dem Urin häufig, aber jeweils nur in kleinen Mengen entleert wird
  • Störungen bei der Blasenentleerung, etwa in Form von erschwertem oder nur tropfenweisem Harnlassen, manchmal in Verbindung mit Schmerzen
  • Schmerzen im Unterleib und in der Nierengegend

Tipp: Nicht unbedingt liegt bei diesen Beschwerden Blasenkrebs vor – diese Anzeichen können auch harmlose Ursachen haben. Da Blasenkrebs allerdings gerade in den frühen Stadien gute Heilungs- und Überlebenschancen hat, ist eine möglichst frühe Diagnose wertvoll.
 

Verdacht auf Blasenkrebs – wie geht es weiter?

Es ist völlig verständlich, dass Sie bei Verdacht auf Krebs Angst vor einem Arztbesuch bekommen. Es ist jedoch wichtig, diese Angst zu überwinden und den Arzttermin nicht hinauszuzögern. Eine frühe Diagnose kann entscheidend sein – denn je früher eine bösartige Erkrankung erkannt wird, desto besser sind häufig die Heilungs- und Überlebenschancen.

Beim Besuch Ihres Hausarztes oder eines Spezialisten bzw. Urologen wird dieser zunächst versuchen, den Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom zu bestätigen oder auszuräumen. Dazu werden in der Regel einige Untersuchungen vorgenommen. Bestätigt sich dabei der Verdacht, untersucht der behandelnde Arzt als nächstes ganz genau, wo der Tumor sitzt, wie groß er ist, aus welcher Art von Zellen er besteht und ob er vielleicht schon Metastasen gebildet hat.

Folgende Verfahren können bei den Untersuchungen zum Einsatz kommen. Klicken Sie einfach auf die Bezeichnungen, um weitere Informationen aufzuklappen:

Anamnese
Laboruntersuchungen
Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Urinuntersuchung (Urinzytologie)
Blasenspiegelung (Zystoskopie)
Abtragen des Tumors (transurethrale Resektion, TUR)

Daneben gibt es weitere diagnostische Verfahren wie unter anderem die Kernspintomografie (MRT) und Computertomografie (CT). Mit diesen kann die Ausbreitung des Tumors besonders präzise bestimmt werden.

Diagnose: Blasenkrebs – und jetzt?

Wenn alle nötigen Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen und Sie die Diagnose Blasenkrebs erhalten haben, wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt genau beschreiben, wie es weitergeht. Stellen Sie ihm am besten alle Fragen, die Ihnen durch den Kopf gehen und zögern Sie nicht davor, ihm zu schildern, wie Sie sich fühlen. Ihr Arzt kann Ihnen eventuell schon etwas die Angst nehmen, Ihnen Halt bieten oder Auskunft über Unterstützungsmöglichkeiten geben. Weitere hilfreiche Informationen zu Unterstützungsangeboten für Krebspatienten finden Sie außerdem im Kapitel „Zurück in den Alltag“.

Im Folgenden wird Ihr behandelnder Arzt Sie an eine Klinik überweisen. Hier wird entschieden, welche Behandlung für Sie infrage kommt. Das weitere Vorgehen ist auf der einen Seite abhängig von Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und individuellen Wünschen. Auf der anderen Seite ist auch das Stadium des Tumors entscheidend. Gemeinsam mit Ihnen und anderen Fachärzten wird Ihr Arzt eine Therapie planen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten diskutieren. Je nachdem wie Sie sich gemeinschaftlich entscheiden, werden anschließend die entsprechenden Schritte eingeleitet.

Wenn Sie möchten, können Sie an dieser Stelle auch zunächst eine Zweitmeinung einholen und sich von einem anderen Arzt untersuchen bzw. eine Therapie empfehlen lassen. Es ist wichtig, dass Sie sich bei ihrem Arzt gut aufgehoben fühlen. Ist dies nicht der Fall oder möchten Sie einfach die vorgeschlagene Behandlung von einem weiteren Experten bestätigt bekommen, spricht nichts dagegen, einen anderen Arzt aufzusuchen.

Bei diesen Gesprächen ist es generell hilfreich, wenn Sie sich von einer nahestehenden Person begleiten lassen. Oft wirkt die Diagnose Krebs im ersten Moment überwältigend und es prasseln in kurzer Zeit viele Informationen auf Sie ein. Der Beistand eines Angehörigen kann die Situation erleichtern. Zusätzlich empfiehlt es sich, Notizen von dem Gespräch zu machen. So können Sie nach dem Gespräch besser Rückfragen stellen oder sich im Nachhinein über die Empfehlungen Ihres Arztes oder die Einzelheiten Ihrer Diagnose informieren.

Nachdem ein Urothelkarzinom diagnostiziert wurde, stellt sich zunächst die Frage nach der Ausbreitung der Erkrankung. Diese Informationen sind wichtig, um die bestmögliche Therapie für den Patienten zu bestimmen.

Zur Stadieneinteilung von Tumoren wird meist die sogenannte TNM-Klassifikation verwendet. Neben der Größe und Ausbreitung des Tumors (T) spielen bei der Stadienbestimmung auch der Befall benachbarter Lymphknoten (lat. Nodus, N) und die Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen, M) eine Rolle.

Urothelkarzinom der Harnblase – Stadieneinteilung des Primärtumors. Diese Abbildungen repräsentieren nur eine Auswahl der Stadieneinteilung. Durch weitere Einteilungen kann das Ausmaß des Tumors detaillierter beschrieben werden.

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Welche Therapieoptionen gibt es bei Blasenkrebs?

Wenn Sie und Ihr Arzt sich für eine Behandlung entschieden haben, beginnt die Durchführung der entsprechenden Therapie. Ein Team von Ärzten kümmert sich nun um Ihre Betreuung – denn bei einer Krebserkrankung müssen verschiedene Spezialisten zusammenarbeiten.

Je nach Größe und Ausbreitung (≠ Stadium) des Tumors können unterschiedliche Therapien infrage kommen.

Folgende Behandlungen können zum Beispiel bei einem kleinen Tumor vorgenommen werden. Klicken Sie einfach auf die Bezeichnungen, um Informationen dazu auszuklappen:

Transurethrale Resektion (TUR)
Lokale Chemotherapie nach TUR
Lokale Immuntherapie nach TUR

Etwa 75 % der Urothelkarzinome werden im frühen Stadium entdeckt, das heißt wenn sie noch nicht in die Muskelschicht der Blase eingewachsen sind (nicht-muskelinvasiv). Diese haben in der Regel eine gute Prognose. Hat sich der Blasenkrebs jedoch bereits in andere Gewebe oder Organe ausgebreitet, verschlechtert sich die Prognose.

Bei Tumoren, die schon Metastasen gebildet haben, die besonders groß oder die in die Muskelschicht der Blase eingewachsen sind (muskelinvasive Tumoren, ab T2), sind weitere Therapiemaßnahmen erforderlich. Folgende Behandlungsmöglichkeiten gibt es in diesem Fall:

Blasenentfernung (Zystektomie)
Organerhaltende Strahlentherapie oder Radiochemotherapie
Chemotherapie
Immunonkologische Therapie

Wie geht es nach der Behandlung weiter?


Zurück in den Alltag

Nach der Therapie folgt in der Regel als nächstes direkt oder zeitnah die Rehabilitation. Dafür gibt es spezielle Kliniken, die mit den psychischen und körperlichen Problemen von Blasenkrebs-Patienten vertraut sind. Ziel ist es, dass Sie möglichst schnell wieder in Ihren Alltag oder Beruf zurückfinden. Der Antrag auf diese sogenannte Anschlussheilbehandlung muss bereits im Krankenhaus gestellt werden, Hilfe dabei bietet Ihnen der Sozialdienst der Klinik. In diesem Zuge können Sie auch mitentscheiden, in welcher Rehabilitations-Klinik Sie behandelt werden. Empfehlenswert ist in jedem Fall eine fachspezifische Klinik.

Vielleicht mussten Sie, wie viele Blasenkrebs-Patienten, Ihre Berufstätigkeit für die Behandlungen unterbrechen und fragen sich, wann Sie wieder arbeiten können. Leider gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort, da die Rückkehr in den Beruf individuell von Ihrem gesundheitlichen Zustand abhängig ist. Ihr behandelnder Arzt wird gemeinsam mit Ihnen entscheiden, wann ein Wiedereinstieg sinnvoll und möglich ist.

Nachsorge

Auch nach Abschluss einer Krebstherapie und Rehabilitation sollten Sie regelmäßig zu Nachsorgeterminen bei einem Arzt gehen. Suchen Sie sich im Idealfall einen Arzt, der auf die (Nach-)Behandlung und Betreuung von Blasenkrebs-Betroffenen spezialisiert ist. Die Nachsorgeuntersuchungen haben zwei Ziele:

  1. Ein möglicher Rückfall soll rechtzeitig erkannt werden. Trotz der vorangegangenen Behandlung können sich in Ihrem Körper noch Krebszellen befinden. Ist dies der Fall, könnte die Krankheit wieder ausbrechen (Rezidiv). Bei den Nachsorgeterminen könnte ein solcher Rückfall frühzeitig entdeckt werden und dann meistens rechtzeitig behandelt werden.
  2. Nach bzw. durch eine Behandlung von Blasenkrebs kann es zu Begleit- und Folgeerkrankungen kommen. In der Nachsorge werden diese festgestellt und behandelt. Generell soll Ihnen in der Nachsorge bei allen körperlichen, seelischen und sozialen Problemen geholfen werden.

Folgen der Erkrankung

Insbesondere die Entfernung der Blase, aber auch die Entnahme naheliegender und bereits befallener Organe kann zu vielen Veränderungen in Ihrem Leben führen. Bei Männern hat die Entfernung der Prostata häufig eine Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit zur Folge. Frauen, denen bei der Operation die Eierstöcke entfernt wurden, können nach dem Eingriff Wechseljahrsbeschwerden haben. Wichtig ist, dass Sie sich vor der Entscheidung für eine bestimmte Therapie über die Folgen dieser erkundigen und von Ihrem Arzt genau beraten lassen. Dieser kann Ihnen am besten Auskunft in Hinblick auf Ihre individuelle Situation geben.

Wo bekomme ich Unterstützung?

Mit sämtlichen Beschwerden sollten Sie sich immer an Ihren behandelnden Arzt wenden. Ein vertrauensvolles Verhältnis ist daher essenziell. Sollten Sie sich bei Ihrem Arzt nicht gut aufgehoben fühlen, können Sie diesen auch wechseln. Ihr Arzt kann Ihnen Auskunft über die verschiedenen Möglichkeiten der psychischen, sozialen, familiären, körperlichen und beruflichen Rehabilitation geben. Insbesondere eine psychosoziale und/oder psychoonkologische Beratung ist nach einer Krebsbehandlung sinnvoll. Scheuen Sie sich daher nicht davor, Ihren Arzt auf weitere Möglichkeiten der Betreuung anzusprechen. Einen guten Überblick über alle Sozialleistungen, die Krebspatienten zustehen, bietet auch der Blaue Ratgeber „Wegweiser zu Sozialleistungen“ der Deutschen Krebshilfe.

Neben der ärztlichen Betreuung und Sozialleistungen ist für viele Krebspatienten der Austausch mit anderen Betroffenen wertvoll. Das Gespräch mit Menschen, die die gleiche Diagnose oder Behandlung erhalten haben, kann dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Der Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V. ist beispielsweise Ansprechpartner für Patienten und Angehörige. Das INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe unterstützt bei der Suche nach Selbsthilfegruppen in der Nähe und berät zu allen Fragen, die Krebsbetroffene haben.

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