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Ablauf der HIV-Therapie

Ablauf der HIV-Therapie

Beginn der HIV-Therapie

Die aktuellen Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. empfehlen, die antiretrovirale Therapie so früh wie möglich einzuleiten. Selbst in der asymptomatischen Phase kann die HIV-Infektion Organschäden (z. B. an Nerven, Niere, Gefäßen) verursachen, zudem ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Ein zeitiger Einsatz der Therapie zielt darauf ab, schwere Erkrankungen und somit das AIDS-Stadium gar nicht erst auftreten zu lassen. Heutzutage erkranken fast nur Patienten an AIDS, die nichts von ihrer HIV-Infektion wussten oder wissen wollten und demzufolge nicht antiretroviral behandelt wurden. 

 

Was ist bei der Einnahme der HIV-Medikamente zu beachten?

Die Medikamente gegen HIV wirken nur dann richtig, wenn sie regelmäßig zum vorgeschriebenen Zeitpunkt eingenommen werden. Bei manchen Medikamenten sind auch Ernährungsvorschriften zu beachten. Sie müssen zum Beispiel auf nüchternen Magen oder mit einer Mahlzeit eingenommen werden.

Werden diese Einnahmevorschriften nicht eingehalten, die Tabletten zum Beispiel seltener oder in niedrigerer Dosierung eingenommen, können sie ihre Wirksamkeit verlieren. Denn wenn zu wenige von den Wirkstoffen im Körper ankommen, kann sich HIV wieder vermehren. Und nicht nur das: Es können Resistenzen entstehen, sodass die Therapie gar nicht mehr wirkt. Die Konsequenz lautet daher: Ganz oder gar nicht!

 

Gut verträgliche Therapie wird eher beibehalten

Wer mit der antiretroviralen Therapie beginnt, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Therapietreue (auch Compliance oder Adhärenz genannt) der Schlüssel zum Erfolg der Therapie ist. Einmal begonnen, sollte die Therapie dauerhaft, vermutlich lebenslang fortgeführt werden. Die Medikamente können nicht einfach abgesetzt werden, wenn es einem besser geht oder eventuell Nebenwirkungen auftreten.

Daher ist es wichtig, die Patienten hinsichtlich der Therapie gut zu beraten und aufzuklären. Der Patient muss wirklich dazu bereit sein. Für den Patienten muss klar sein, dass eine unzureichende Einnahme den Therapieerfolg gefährdet.


 

Nebenwirkungen oder die Angst vor Nebenwirkungen sind ein häufiger Grund, warum Patienten die Therapie nicht nach Vorschrift einnehmen.  Daher sollte dieses Thema auch beim Gespräch mit dem Arzt nicht ausgeklammert werden. Wer Schwierigkeiten hat, seine Pillen regelmäßig einzunehmen, sollte darüber mit seinem Arzt sprechen. Manchmal gibt es Möglichkeiten, auf andere Medikamente umzusteigen, die besser verträglich sind.

 

Eine gut verträgliche Therapie ist auch deshalb wichtig, weil immer mehr HIV-Patienten in ein Alter kommen, in dem ihre Organe entweder durch weitere Erkrankungen oder durch das fortschreitende Alter selbst in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Eine zusätzliche Belastung durch bestimmte antiretrovirale Medikamente sollte, wenn möglich, vermieden werden.  Die Therapie muss außerdem zum Lebensalltag des Patienten passen.

Begleitmedikation auf HIV-Therapie abstimmen

HIV-Infizierte leben heute dank der guten Therapiemöglichkeiten länger als Menschen, die sich in den Anfangszeiten der AIDS-Pandemie angesteckt haben. Sie können heutzutage davon ausgehen, dass ihre Lebenserwartung mit der von nicht Infizierten nahezu vergleichbar ist.

Dennoch rücken im Laufe der Erkrankung und mit dem Älterwerden andere Erkrankungen in den Vordergrund, die die Lebenserwartung beeinträchtigen können, sogenannte Begleiterkrankungen. Die ärztlichen Therapieleitlinien empfehlen daher zum Beispiel, bei allen HIV-positiven Patienten routinemäßig Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus zu erfassen.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass sich die zusätzlich einzunehmenden Medikamente einer Begleitmedikation mit der HIV-Therapie vertragen und gut kombiniert werden können. Damit können Wechselwirkungen vermieden werden, die die Wirkung der HIV-Medikation beeinträchtigen könnten.

 

Wechselwirkungen von HIV-Medikamenten und anderen Arzneimitteln

Arzneimittel, die zur Behandlung von Begleiterkrankungen eingesetzt werden, können in ihrer Wirkung durch HIV-Medikamente beeinflusst werden oder umgekehrt deren Wirkung verstärken oder abschwächen. Dies kann zum Beispiel Antidepressiva, Antibiotika, Blutverdünner, Hochdruckmittel, Beruhigungsmittel, Schmerzmittel und viele andere Substanzen betreffen. 

Scheinbar harmlose Substanzen wie Johanniskraut können sich ungünstig auf die HIV-Therapie auswirken. Gleiches gilt insbesondere für verschreibungspflichtige Arzneimittel.  Aus diesem Grund kann es erforderlich sein, dass die Therapie mit diesen Medikamenten individuell der HIV-Behandlung angepasst und mit einer niedrigen Dosierung begonnen werden muss. Wichtig ist es daher, den behandelnden Arzt immer darüber zu informieren, welche zusätzlichen Präparate außer den HIV-Medikamenten eingenommen werden.