zur Hauptnavigation springen zum Inhalt springen
Colitis ulcerosa

Für Menschen mit Colitis ulcerosa

Mit frühzeitiger und konsequenter Behandlung Folgeschäden verzögern oder sogar verhindern

Beschwerden und Ursachen

Was sind die Beschwerden?

Zu Beginn der Erkrankung treten meist nur unspezifische Beschwerden wie Stuhlunregel-
mäßigkeiten oder Krämpfe auf. Sobald es auch zu Blut- und Schleimbeimengungen kommt, suchen Betroffene dann zumeist den Arzt bzw. die Ärztin auf.

Bedingt durch die chronische Entzündung des Dickdarms und gerade bei Befall des Enddarms kann es dann im weiteren Verlauf zu einem starken Anstieg der Stuhlfrequenz auf bis zu 10 Mal pro 24 h ansteigen. Bei schwerer Krankheitsaktivität treten auch vermehrt nächtliche Stuhlgänge auf. Häufig klagen die Patient:innen dabei über krampfartige Bauchschmerzen vor dem Stuhlgang mit anschließender Besserung nach Entleerung.

Typische Symptome bei Colitis ulcerosa:

  • Blutige Durchfälle mit Schleimbeimengungen (Leitsymptom)
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Fieber
  • Gewichtsverlust
  • Blutarmut

Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts

Neben den bereits erwähnten Symptomen können die Betroffenen mit Colitis ulcerosa auch unter sogenannten extraintestinalen Begleiterkrankungen leiden, also Beschwerden beziehungsweise entzündliche Veränderungen außerhalb des Magen-Darm-Trakts. Es ist wichtig, dass Sie Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin stets auch über Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts informieren.

Mögliche zusätzliche Symptome:

  • Entzündung der Gelenke
  • Entzündung der Augen
  • Erkrankungen der Haut
  • Symptome am Mund

Verlauf beobachten, Ziele im Blick behalten

Der Verlauf und die Symptome der Colitis ulcerosa können bei den Betroffenen unterschiedlich sein. Zumeist ist die Colitis ulcerosa charakterisiert durch Episoden von Krankheitsschüben, welche sich mit Phasen der Remission abwechseln. Ebenso kann die Krankheitsaktivität auch kontinuierlich ohne Phasen der Remission bestehen, und auch Verläufe mit sehr lang andauernder Remission kommen vor.

Entzündungen können Spuren hinterlassen. Dementsprechend sollte die Therapie nicht nur die Remissionsphase einleiten, sondern auch möglichst langfristig erhalten. Um strukturelle Schäden am Darm zu verhindern, ist eine Mukosaheilung anzustreben. Es ist zudem wichtig, die Diagnose besonders bei schweren Verläufen so früh wie möglich zu stellen und Darminfektionen auszuschließen.

Expert:innen sollten regelmäßig miteinbezogen werden. Ein Termin beim Gastroenterologen bzw. bei der Gastroenterologin sollte demnach nicht nur zur Diagnosefindung und bei akuten Schüben vereinbart werden. Regelmäßige Untersuchungen ermöglichen dem Facharzt bzw. der Fachärztin, den weiteren Verlauf der Erkrankung zu beurteilen. Bei Bedarf kann die Therapie angepasst werden. Bei therapierefraktärem Verlauf sollten jedoch frühzeitig ein / eine Fachärzt:in der Chirurgie hinzugezogen werden. So unterschiedlich die Krankheitsverläufe und Symptome der Colitis ulcerosa zwischen den Betroffenen sind, so verschieden sind auch die jeweiligen Anforderungen an eine Therapie. Dokumentieren Sie Ihren individuellen Krankheitsverlauf und helfen Sie so bei der Beurteilung des Therapieerfolgs mit!

Mögliche Ursachen

Ist Colitis ulcerosa eine Erbkrankheit?

Colitis ulcerosa kann durch eine familiäre Häufung charakterisiert sein. So haben Verwandte ersten Grades von Menschen mit Colitis ulcerosa ein 10 – 15-fach erhöhtes Risiko ebenfalls zu erkranken. Allerdings beträgt das lebenslange Erkrankungsrisiko für Kinder von Betroffenen nur ungefähr 5 %. Familiäre Fälle von Colitis ulcerosa scheinen dabei eher das weibliche Geschlecht zu betreffen. Zudem scheint die Erkrankung bei Patient:innen mit familiärer Veranlagung früher auszubrechen im Vergleich zu sporadischen Fällen.

Welche weiteren Faktoren können zur Entwicklung einer Colitis ulcerosa beitragen?

Man geht von einem durch mehrere Faktoren verursachten Entzündungsprozess aus. Man glaubt, dass bei entsprechender genetischer Veranlagung sowohl der Lebensstil als auch die Umwelt eine Dysbalance von Mikrobiota, Epithel und Immunzellen im Darm zu einem Ungleichgewicht des Immunsystems führen können. Obwohl die Forschung auf diesem Gebiet enorm erfolgreich war, ist die Entstehung  der Erkrankung bis heute nicht komplett verstanden. Auffällig ist, dass die Erkrankung vor allem in den westlichen Industrieländern verbreitet ist und dort einem deutlichen Stadt-Land-Gefälle folgt. Man vermutet daher einen Zusammenhang zwischen einem westlichen Lebensstil, insbesondere von Ernährungsfaktoren, und der Krankheitsentwicklung.

Diagnose

Wie der Arzt bzw. die Ärztin die Diagnose stellt

Bei Verdacht auf eine Colitis ulcerosa muss ein Gastro-
enterologe / eine Gastro-
enterologin, also ein Facharzt / eine Fachärztin für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, hinzugezogen werden. Die Erstdiagnose einer Colitis ulcerosa wird im Wesentlichen aufgrund der Beschwerden und Symptome und des typischen Krankheitsverlaufs gestellt. Bildgebung sowie laborchemische Untersuchungen werden zur Unterstützung der Diagnose durchgeführt.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden erneut diagnostische Maßnahmen notwendig, wenn beispielsweise bei einem akuten Schub Ausmaß, Befallsmuster und Schweregrad nochmals beurteilt werden müssen.

Anamnese und körperliche Untersuchung durch den Arzt bzw. von der Ärztin. Die vom Arzt bzw. von der Ärztin abgefragte Krankengeschichte
( Anamnese ) stellt eines der wichtigsten Instrumente dar, um das Vorliegen einer Colitis ulcerosa abzuklären. Neben Informationen zu den Beschwerden werden beispielsweise auch Krankheiten in der Familie, der Impfstatus, und ob der Betroffene raucht oder jemals geraucht hat, erfragt. Zudem wird der Arzt bzw. die Ärztin eine ausführliche körperliche Untersuchung durchführen.

Laboruntersuchungen
Bei den Laboruntersuchungen finden sich im Schub meist Hinweise auf eine Entzündung , wie z. B. erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins (CRP), eine beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten). Bedingt durch die blutigen Stuhlgänge können auch Blutarmut oder Eisenmangel bestehen.

Wichtig ist der Ausschluss von Magen-Darm-Infekten durch das Untersuchen einer Stuhlprobe. Bei Patient:innen mit vorhandener Reiseanamnese sollte auch eine Diagnostik bezüglich der landestypischen Erreger durchgeführt werden.

Bestimmte Entzündungsmarker im Stuhl, wie beispielsweise Calprotectin, können als Frühmarker und Aktivitätsmarker bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen herangezogen werden.

Endoskopie
Ein neben der Anamnese wichtiger Baustein für die Diagnose ist die Untersuchung der Schleimhaut im Dickdarm, also die Darmspiegelung mit flexiblen Endoskopen. Verletzungen, Geschwüre, die Oberflächenbeschaffenheit, Farbe und Gefäßmuster der Darmschleimhaut lassen sich hiermit gut erkennen.

Zur Diagnosestellung sollte eine komplette Dickdarmspiegelung mit einem Einblick in das daran angrenzende letzte Stück des Dünndarms, das „terminale Ileum“, durchgeführt werden (Ileokoloskopie). Dabei werden in der Regel Gewebeproben (Biopsien) entnommen. Liegt eine Colitis ulcerosa vor, weisen die Proben für die Erkrankung typische Veränderungen auf.

Nach mehreren Schüben oder einzelnen schweren Schüben können Schleimhautveränderungen erkennbar sein. Es können beispielsweise sogenannte Pseudopolypen, entstehen. In diesem Fall wächst die Schleimhaut polypenartig, d. h. stielartig, in das Innere des Darms. Zudem können Vernarbungen auftreten und die typische Haustrierung (Ausbuchtungen der Darmwand) kann verloren gehen.

Bildgebende Verfahren

Ultraschall
Computer- und Magnetresonanztomografie

Therapieziele eine Übersicht

Colitis ulcerosa behandeln

So unterschiedlich die Krankheitsverläufe und Symptome sind, so verschieden sind auch die jeweiligen Anforderungen an eine Therapie. Deshalb versuchen Ärzt:innen, aus einer Vielzahl von Maßnahmen diejenigen herauszufinden, die das individuell beste Therapieergebnis bringen sollen.

Krankheitskontrolle: Bei diesem wesentlichen Ziel gilt es, die Entzündung möglichst früh einzudämmen und eine beschwerdefreie Phase, die sogenannte Remissionsphase, zu erreichen.

Remissionserhalt: Ist eine beschwerdefreie Phase erreicht, sollte diese, so gut es geht, erhalten werden.

Mukosaheilung: Anhand entzündlicher Veränderungen der Darmschleimhaut (Mukosa) können Rückschlüsse auf die Krankheitsaktivität gezogen werden. Zwar muss eine medikamentös induzierte klinische Remission nicht mit einer endoskopisch oder histologisch (Gewebeuntersuchung) erfassten Remission einhergehen, aber es finden sich Hinweise, dass eine Mukosaheilung mit einem günstigeren klinischen Ausgang in Verbindung steht. So kann aufgrund der Mukosaheilung bei Patient:innen in Remission auch eine mögliche Reduktion des Therapieumfanges erwogen werden.

Normale Lebensqualität: Viele von Colitis ulcerosa Betroffene leiden insbesondere unter den psychosozialen Aspekten der Erkrankung. Ein wichtiges Ziel ist daher, mit einer effektiven und angemessenen Therapie die Lebensqualität der betroffenen Person zu verbessern. Dazu können beispielsweise der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und das Ermöglichen einer Ausbildung oder eines Studiums gehören. Überdies sollte die Erkrankung die Betroffenen gesellschaftlich nicht isolieren, sondern eine zufrieden stellende Freizeitgestaltung und kulturelle Aktivitäten erlauben.

Individuelles Therapiekonzept

Vor Beginn einer Therapie sollten die Vor- und Nachteile der Behandlungsoptionen besprochen werden. Auf dieser Basis kann der behandelnde Gastroenterologe / die behandelnde Gastroenterologin gemeinsam mit Ihnen eine langfristige Strategie erarbeiten.

  • Berücksichtigung finden dabei beispielsweise die Häufigkeit und der Schweregrad der Erkrankungsschübe, das Ansprechen und das Auftreten von Nebenwirkungen bei vorangegangenen Therapien oder aber auch der Aspekt der Krebsvorsorge.
  • Das entwickelte Therapiekonzept sollte schriftlich festgelegt werden. So wissen andere Ärzt:innen, die Sie mitbetreuen, ebenfalls Bescheid.
  • Für die Wahl der Therapie sind die Symptome, die Ausdehnung der entzündlichen Veränderung (Befallsmuster) und das Ausmaß der Entzündung von Bedeutung. Die Beschwerden der Patient:innen stimmen insbesondere bei langem Erkrankungsverlauf nicht immer mit der Krankheitsaktivität überein. Es kann auch eine Überlappung zum Reizdarmsyndrom bestehen. Eine erhöhte klinische Aktivität ist somit nicht in jedem Falle durch eine Entzündung verursacht.
  • Die Beurteilung des Schweregrads der Erkrankung erfolgt in der Regel durch die Symptomatik und die Befunde der Darmspiegelung sowie durch weitere Untersuchungen.
  • Zudem empfindet jeder Betroffene die Erkrankung anders, daher sollten auch weitere Faktoren wie die Arbeits- bzw. Schulfähigkeit und die Bewältigung des Alltags berücksichtigt werden.

Erfolgsfaktor Therapietreue

Die Therapietreue ist ein entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf der Erkrankung. So sind die Medikamente auch bei Besserung der Beschwerden nach den Empfehlungen des behandelnden Arztes bzw. der behandelnden Ärztin unbedingt weiter anzuwenden. Eine abgebrochene Therapie kann dagegen zu erneuten Krankheitsschüben und einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen, während eine gute Therapietreue die Wahrscheinlichkeit in Remission zu verbleiben wesentlich erhöht.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie Probleme mit Ihrer Therapie haben. Gemeinsam lässt sich meistens eine Lösung finden.

Mögliche Medikamente zur Behandlung einer Colitis ulcerosa bei Erwachsenen

Bei der medikamentösen Therapie der Colitis ulcerosa folgen die meisten Ärzt:innen einem Stufenschema, wobei die Therapie des akuten Schubs von der Behandlung zur Erhaltung der Remission (Erhaltungstherapie) unterschieden werden kann.

Folgende Medikamentenklassen können abhängig vom Krankheitsverlauf, der Krankheitsaktivität, der Wirksamkeit und Verträglichkeit vorangegangener Behandlungsversuche sowie allgemeiner Begleitumstände im jeweiligen individuellen Fall eingesetzt werden:

Weitere Informationen zu den Wirkstoffklassen finden Sie in unserer Patientenbroschüre Colitis ulcerosa.

Nähere Informationen zu den beschriebenen Therapieoptionen erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt bzw. Ihrer behandelnden Ärztin. Wie alle Arzneimittel können auch die oben genannten Medikamente Nebenwirkungen haben. Diese müssen aber nicht zwangsläufig bei jedem Anwender auftreten. Einige unerwünschte Wirkungen bedürfen einer Behandlung. Es ist wichtig, als Patient die jeweiligen Beipackzettel der Medikamente zu beachten und den behandelnden Arzt bei Bedarf zu kontaktieren. Nur so können eventuell auftretende Nebenwirkungen erkannt und die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Gibt es eine Colitis-Diät?

Eine definierte Diät, die bei Colitis ulcerosa hilft, gibt es leider nicht.

Ernährungsfaktoren spielen sowohl bei der Krankheitserstehung als auch im Verlauf eine wichtige Rolle. Die Wahrscheinlichkeit für Mangelernährung ist bei Betroffenen 5-mal höher im Vergleich zu Gesunden und kann sich sowohl negativ auf den Krankheitsverlauf als auch auf die Lebensqualität auswirken. Zudem sollte starkes Über- und Untergewicht und jegliche Form einseitiger Ernährung vermieden werden. Bei erhöhtem Flüssigkeitsverlust durch andauernde Durchfälle ist auf einen ausreichenden Wasserhaushalt zu achten.

In beschwerdefreien Phasen, wenn keine Krankheitsaktivität und keine Komplikationen vorliegen, können im Allgemeinen die „10 Regeln der deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)" (www.dge.de) als Leitfaden für eine gesunde und ausgewogene Ernährung dienen. Eine leichte und gut verträgliche Kost kann außerdem sinnvoll sein. Eine Ernährungsfachkraft kann in einem persönlichen Gespräch auf die individuelle Situation eingehen und detailliert beraten.

Tipps für den Alltag

Mehr zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen

Sie finden auch Wissenswertes zu anderen Autoimmunerkrankungen auf MSD Gesundheit. Informieren Sie sich beispielsweise hier über die Psoriasis Arthritis.