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Hormonelle Verhütung

Hormonelle Verhütung

Alle hormonellen Verhütungsmethoden haben das gleiche Ziel: Sie sollen eine Schwangerschaft verhindern

Hormonelle Verhütungsmittel enthalten synthetisch (künstlich) hergestellte Hormone, die ähnlich wirken wie die körpereigenen Hormone Östrogen und Progesteron, einem Gestagen. Beide Hormone sorgen für die Verhütungszuverlässigkeit. Präparate, die sowohl ein Östrogen als auch ein Gestagen enthalten, werden Kombinationspräparate genannt. Dazu gehören die klassische Antibabypille, der Verhütungsring und das Hormonpflaster. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Ethinylestradiol als Östrogen-Komponente enthalten. Es unterstützt die empfängnisverhütende Gestagen-Wirkung und trägt zu einem stabilen Zyklus – möglichst ohne Zwischenblutungen – bei. Durch die unterschiedlichen Gestagenkomponenten unterscheiden sich die verschiedenen Präparate.

Generell geht der Trend zu einer möglichst geringen Hormondosierung – sowohl bei der Pille als auch bei anderen Verhütungsmethoden, die ein Östrogen und ein Gestagen verwenden. Unter allen Kombinationspräparaten gehört der Verhütungsring zu den Präparaten mit der am niedrigsten dosierten Ethinylestradiol-Dosis pro Tag. Eine vergleichsweise neue Entwicklung sind Kombinationspräparate mit körpernahen Östrogenen, die denjenigen im weiblichen Körper gleichen.

Östrogene sind zur Empfängnisverhütung nicht zwingend notwendig. Bei einer Östrogen-Unverträglichkeit, bei erhöhtem Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) oder in der Stillzeit können Sie deshalb auch auf wirksame östrogenfreie Alternativen (Gestagen-Monopräparate) ausweichen.

Zu den östrogenfreien Verhütungsmethoden gehören beispielsweise die östrogenfreie Pille, die Minipille, aber auch Langzeitverhütungsmittel wie das Verhütungsstäbchen, die Hormonspirale oder auch die 3-Monats-Spritze. Diese Präparate verzichten auf Östrogene. Das enthaltene Gestagen wird hierbei ohne Pause verabreicht, die monatliche Regelblutung kann ausbleiben. Zwischenblutungen können jedoch auftreten.

Bevor Sie sich für eine hormonelle Verhütung entscheiden, sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrer Frauenärztin/ Ihrem Frauenarzt, denn hormonelle Verhütungsmittel werden nur nach ärztlicher Verordnung abgegeben. Wenn Sie ein Präparat zur Empfängnisverhütung wünschen, müssen Sie es in der Regel ab dem vollendeten 20. Lebensjahr selbst bezahlen. Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr bekommen die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Welche Nebenwirkungen haben die hormonellen Verhütungsmittel?

Wie alle Arzneimittel können auch kombinierte hormonelle Verhütungsmittel Nebenwirkungen haben, die jedoch nicht bei jeder Anwenderin auftreten müssen. Dazu gehören beispielsweise Übelkeit, Brustschmerzen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung, Gewichtszunahme oder Veränderung des Blutungsverhaltens.

Alle kombinierten hormonalen Kontrazeptiva erhöhen das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels. Das Gesamtrisiko für das Auftreten eines Blutgerinnsels unter Anwendung eines kombinierten hormonalen Kontrazeptivums ist gering, allerdings können Blutgerinnsel schwerwiegend und in sehr seltenen Fällen sogar tödlich sein.

Im Folgenden finden Sie einige wichtige Hinweise zum Thema Risiko für Blutgerinnsel, z. B. im Bein (tiefe Beinvenenthrombose), in der Lunge (Lungenembolie), Herzinfarkt und Schlaganfall unter Anwendung von kombinierten hormonellen Verhütungsmitteln, die das Bfarm (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) herausgegeben hat.

Wann ist das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels am größten?

  • im ersten Jahr der Anwendung eines kombinierten hormonalen Kontrazeptivums (auch dann, wenn Sie nach einer Unterbrechung von 4 oder mehr Wochen die Anwendung wieder aufnehmen)
  • wenn Sie stark übergewichtig sind
  • wenn Sie älter als 35 Jahre sind
  • wenn Sie rauchen
  • wenn bei einem Ihrer nächsten Angehörigen in relativ jungen Jahren (d. h. jünger als ca. 50 Jahre) ein Blutgerinnsel aufgetreten ist (Gefäßverschlüsse im Bein (Thrombose), in der Lunge (Lungenembolie) oder anderen Organen, Schlaganfall oder Herzinfarkt)
  • wenn Sie vor wenigen Wochen entbunden haben

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr ganz persönliches Risiko, eine Thrombose, Lungenembolie, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Ihr Arzt wird dann mit Ihnen zusammen die richtige Methode der Verhütung auswählen.

Achten Sie aufmerksam auf die Symptome (Anzeichen) eines Blutgerinnsels und fragen Sie Ihren Arzt nach Vorbeugungsmaßnahmen zur Verhinderung von Blutgerinnseln, besonders wenn Sie:

  • gerade operiert wurden
  • über einen längeren Zeitraum bettlägerig gewesen sind (z. B. aufgrund einer Verletzung oder Krankheit, oder weil ein Bein eingegipst ist)
  • auf einer längeren Reise gewesen sind (z. B. Flüge über 4 Stunden)

Nähere Einzelheiten finden Sie unter www.bfarm.de.

Eine Auswirkung von hormonellen Verhütungsmitteln auf das Auftreten bestimmter Krebserkrankungen wird immer wieder diskutiert. Die Entstehung von Krebs wird meist von vielen Faktoren beeinflusst und ist deshalb nur schwer auf eine Ursache zurückzuführen. Darum kann auch der Einfluss von Hormonen nur schwer abgeschätzt werden und bedarf einer ständigen Überprüfung durch Studien und Register. Beim Brustkrebs wird derzeitig von keinem Einfluss der unterschiedlichen Verhütungshormone ausgegangen. Für Eierstockkrebs und Krebserkrankungen der Gebärmutterschleimhaut sinkt das Risiko mit zunehmender Einnahmedauer oraler Verhütungsmittel. Die Rate dieser Krebsarten ist geringer bei Pillen-Anwenderinnen. Beim Gebärmutterhalskrebs besteht ein höheres Risiko, an diesem Tumor zu erkranken, wenn man hormonenthaltende Methoden verwendet.