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Urothelkarzinom/Blasenkrebs

Urothelkarzinom/Blasenkrebs

Urothelkarzinom/Blasenkrebs - Das Wichtigste in Kürze

Das Urothelkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der aus den Zellen des sogenannten Urothels entsteht. Dieses kleidet als Oberflächenschicht das gesamte harnleitende Hohlsystem von innen aus. Die meisten Patienten mit einem Blasentumor haben ein Urothelkarzinom. Bei mehr als 9 von 10 Patienten entstehen Urothelkarzinome in der Harnblase. Das liegt daran, dass in der Harnblase ein Großteil des Urothelgewebes zu finden ist. Aus diesem Grund wird das Urotelkarzinom im allgemeinen Sprachgebrauch häufig auch als Harnblasen- oder Blasenkrebs bezeichnet.

Das Risiko, an Harnblasenkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Männer sind im Verhältnis zu Frauen mehr als dreimal häufiger betroffen. Antworten zu Fragen rund um die Erkrankung und den verschiedenen Therapiemöglichkeiten finden Sie hier.

Urothelkarzinom – Was ist das?

Was ist ein Urothelkarzinom?

Ein Urothelkarzinom ist eine Krebserkrankung, bei der die Tumoren von der Schleimhaut der ableitenden Harnwege, dem sogenannten Urothel, ausgehen. Etwa 90 % der Urothelkarzinome entstehen als sogenannter Blasenkrebs in der Harnblase.

Was ist das Urothel?

Das Urothel, von Fachleuten auch Übergangsepithel genannt, ist eine Schleimhaut, die das gesamte harnleitende Hohlsystem von innen auskleidet.

Darstellung des Nierenbeckens, der Harnleiter, der Blase und der Harnröhre
Das Urothel ist eine Schleimhaut im harnleitenden Hohlsystem. © MSD Sharp & Dohme

Das Urothel befindet sich

  • in den Nierenbecken
  • den Harnleitern
  • der Blase
  • und der Harnröhre

Der Großteil des Urothels befindet sich in der Harnblase, weshalb hier die meisten der Urothelkarzinome entstehen. Wesentlich seltener entstehen Urothelkarzinome in den oberen Harnwegen, wie Nierenbecken oder Harnleitern.

Wie entsteht Blasenkrebs (Urothelkarzinom)?

Als Krebs bezeichnet man bösartige Tumoren, die aus Zellen mit krankhaft verändertem Erbgut entstehen. Diese Zellen teilen sich schneller als normale Zellen und dringen in benachbartes Gewebe und Organe ein, ausgeschwemmte Zellen können Tochtergeschwülste bilden.

Auch wenn die Entstehung von Krebs noch nicht vollends entschlüsselt ist, gelten inzwischen einige Risikofaktoren für das Urothelkarzinom als bestätigt:

  • Rauchen
  • Chemikalien (krebsfördernde Stoffe, mit denen man auch bei einigen beruflichen Tätigkeiten in Kontakt kommt)
  • bestimmte Medikamente (die z. B. als unerwünschte Nebenwirkung die Blase schädigen können)
  • chronische Infektionen der Blasenschleimhaut
  • Bestrahlung (beispielsweise im Rahmen von Strahlentherapie bei Krebspatienten)
  • und erblich bedingte Faktoren

Urothelkarzinom – Welche Symptome gibt es?

Typische Anzeichen für Urothelkarzinome der Harnblase sind schmerzlose Blutungen aus dem Harntrakt. Diese können:

  • mit bloßem Auge sichtbar
  • oder auch nur mit einem Harnstreifentest nachweisbar sein.

Gelegentlich ähneln die Symptome von Blasenkrebs jenen einer Harnblasenentzündung mit Schmerzen bei der Blasenentleerung und häufigem Harndrang. Wenn durch einen Tumor eine Harnabflussbehinderung (Harnstauung) im oberen Harntrakt entstanden ist, können zudem folgende Symptome auftreten:

  • Flankenschmerzen
  • reduzierte Harnmenge
  • und Müdigkeit

Insbesondere in fortgeschrittenen Stadien werden die Symptome bei Blasenkrebs zunehmend vielfältig. 

Diagnose Urothelkarzinom – Was bedeutet das?

Es gibt keine speziellen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Blasenkrebs. Harn und Blut werden in der Regel erst nach dem Auftreten erster Symptome untersucht. Für die Diagnose eines Urothelkarzinoms sind weitere Untersuchungen notwendig, z. B.:

  • Ultraschall von Blase und Nieren bzw. den gesamten Harnwegen
  • Blasenspiegelung

Zum Ausschluss eines Urothelkarzinoms im oberen Harntrakt können weitere Verfahren, wie z. B. eine Computertomographie eingesetzt werden. Im Zweifelsfall kann darüber hinaus auch eine Gewebeprobe entnommen werden.

Nachdem ein Urothelkarzinom diagnostiziert wurde, stellt sich zunächst die Frage nach der Ausbreitung der Erkrankung. Diese Informationen sind wichtig, um die bestmögliche Therapie für den Patienten zu bestimmen.

Dabei wird der Tumor anhand des sogenannten TNM-Systems in verschiedene Stadien unterteilt. Folgende Parameter sind dafür relevant:

  • Die Eindringtiefe des Tumors (T)
  • ob die Lymphknoten befallen sind (N)
  • und ob schon Metastasen, also Tumorabsiedlungen, in anderen Organen zu finden sind (M)

Neben dieser Einteilung werden die Tumoren auch auf ihre mikroskopische Beschaffenheit hin untersucht und in verschiedene Differenzierungsgrade eingeteilt (sog. Grading). Nicht zuletzt ist für die weitere Therapie wichtig, ob der Tumor in die Muskulatur eingewachsen ist oder nicht. Je nachdem, werden Tumoren in „nicht-muskelinvasive“ und „muskelinvasive“ Harnblasenkarzinome unterteilt. Etwa 75 % der Harnblasenkarzinome werden bereits in frühen Stadien entdeckt, wenn sie noch nicht-muskelinvasiv sind.

Wie wird das Urothelkarzinom behandelt?

Welche Therapien kommen bei der Behandlung des Urothelkarzinoms bei Erwachsenen zum Einsatz?

Hat sich der Verdacht auf ein Urothelkarzinom im Rahmen der Voruntersuchung erhärtet, wird zunächst eine sogenannte transurethrale Resektion durchgeführt. Dabei entnimmt der Arzt mithilfe eines Endoskops Gewebeproben. Bei bestimmten Patienten kann der Tumor durch die transurethrale Resektion restlos abgetragen werden und es lassen sich keine Tumorzellen in den Rändern des entnommenen Gewebes finden.

Um das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors zu minimieren, kann zwei bis sechs Wochen nach dem Eingriff eine Nachresektion vorgenommen werden. Zusätzlich dazu können nach der Operation

  • eine lokale Chemotherapie
  • oder eine sogenannte Instillationstherapie (Spülung der Harnblase mit einem bestimmten Medikament) durchgeführt werden

Generell ist die Wahl der geeigneten Behandlungsoption neben der genauen Bestimmung des Tumors und dem Stadium der Tumorerkrankung auch von dem individuellen Zustand des Patienten abhängig und wird gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abgestimmt.

Wie ist die Prognose?

Etwa 75 % der Urothelkarzinome werden im frühen Stadium entdeckt, d.h. wenn sie noch nicht-muskelinvasiv sind, und haben in der Regel eine gute Prognose. Hat sich der Blasenkrebs jedoch bereits in andere Gewebe oder Organe ausgebreitet, verschlechtert sich die Prognose.

Wie wird das muskelinvasive Urothelkarzinom behandelt?

Bei Patienten mit einem muskelinvasiven Blasenkrebs reicht eine transurethrale Resektion nicht aus. Hier müssen in der Regel u. a. die gesamte Harnblase (radikale Zystektomie) und die Beckenlymphknoten operativ entfernt werden.

Bei Patienten, bei denen diese Maßnahme nicht durchgeführt werden kann, besteht die Option einer Kombination aus:

  • transurethraler Resektion
  • Chemotherapie
  • und Strahlentherapie

Urothelkarzinom – Welche Möglichkeiten bestehen in metastasierenden Stadien (wenn bereits Tochtergeschwülste in anderen Organen vorliegen)?

In metastasierten Stadien ist in der Regel keine Heilung mehr möglich.

Der Fokus der Behandlung liegt dann auf:

  • der Stabilisierung des Krankheitsverlaufs
  • und der Linderung von Beschwerden

Neben der Chemotherapie als Standardbehandlung kann in diesem Stadium auch eine Bestrahlung durchgeführt werden, um das Fortschreiten der Erkrankung bestmöglich zu verlangsamen.

Für erwachsene Patienten mit Urothelkarzinomen in fortgeschrittenen Stadien, die nicht auf bislang etablierte Chemotherapien ansprechen oder die für diese z. B. wegen schwerer Begleiterkrankungen nicht geeignet sind, können immunonkologische Therapien unter bestimmten Voraussetzungen eine Erweiterung des Behandlungsspektrums bieten.

Anders als andere Behandlungsoptionen zielen immunonkologische Therapien darauf ab, das körpereigene Immunsystem für den Kampf gegen den Krebs stark zu machen und zu reaktivieren.

Sie wollen mehr über die immunonkologische Therapie erfahren? In diesem Video erzählt der Onkologe Dr. Overkamp mehr über die Therapiemöglichkeiten bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen sowie zur Wirkweise und Anwendung der immunonkologischen Therapie.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.krebshilfe.de und www.krebsinformationsdienst.de.

Bildquelle „Urothelkarzinom“: © MSD Sharp & Dohme