zur Hauptnavigation springen zum Inhalt springen
HIV: Therapie

HIV: Therapie

Wie funktioniert die HIV-Therapie?

Zur Therapie der HIV-Infektion stehen heute eine Vielzahl von Medikamenten, sogenannte antiretrovirale Substanzen, zur Verfügung. Sie unterbinden die Virusvermehrung. Das gelingt aber dauerhaft nur durch Kombination mehrerer Medikamente aus unterschiedlichen Substanzklassen, das heißt mit unterschiedlichen Wirkprinzipien. Ein Medikament alleine würde nicht ausreichen. Denn bei der Vermehrung von HIV entstehen aufgrund der hohen Mutationsrate viele verschiedene Varianten des Virus. Darunter befinden sich immer einige, die gegen eines oder mehrere Medikamente einer Substanzklasse resistent sind. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Medikamente regelmäßig eingenommen werden, denn nur dann ist eine dauerhafte Unterdrückung der Virusvermehrung gewährleistet.

Gute Prognose dank hoch aktiver Kombinationstherapie

Erst die Kombination der Wirkstoffe – die sogenannte antiretrovirale Therapie (ART) beziehungsweise hoch aktive ART (HAART) – stoppt die Virusvermehrung effektiv. Dadurch kann das Leben von Infizierten deutlich verlängert und die Lebensqualität verbessert werden.

Aber eine Heilung ist nicht möglich. Bisher gelingt es nicht, HIV aus dem Körper zu entfernen. Um die fortschreitende Schädigung des Immunsystems zu verhindern, in deren Folge sich lebensbedrohliche Infektionen etablieren können, müssen die Medikamente nach derzeitigem Wissensstand lebenslang eingenommen werden. Unter dieser Voraussetzung haben HIV-Infizierte bei ansonsten gesunder Lebensweise eine annähernd normale Lebenserwartung.

Die eingesetzten Wirkstoffe setzen an verschiedenen Punkten der Virusbiologie an. Sie werden folgenden fünf Substanzklassen zugeordnet:

1. Entry-Inhibitoren
2. Nukleosidale/Nukleotidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs)
3. Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs)
4. Integrase-Hemmer
5. Protease-Hemmer

Start der Therapie

Die Deutsch-Österreichische Leitlinie zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion, Version 6, 2015 empfiehlt bei symptomatischen HIV-1-infizierten Patienten den sofortigen Beginn einer ART. Bei asymptomatischen Patienten sollte die Therapie begonnen werden, wenn die/der Patient/in bereit ist. Sie folgt allgemeinen Gesichtspunkten und einer individuellen Risikoabschätzung. Vorrangig orientiert sich die Therapie an der absoluten CD4-Zellzahl und ihrem Verlauf, berücksichtigt darüber hinaus aber weitere Kriterien wie z. B. Lebensalter > 50 Jahre, Schwangerschaft, Koinfektion mit dem Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virus.

Zur Ersttherapie einer HIV-Infektion empfehlen die ärztlichen Fachgesellschaften eine Kombination aus zwei Nukleosidalen/Nukleotidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren mit entweder einem Nicht-Nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitor, einem Protease-Hemmer oder einem Integrase-Hemmer. Ein Wechsel der Substanzen ist dann notwendig, wenn der Behandlungserfolg beispielsweise aufgrund von Nebenwirkungen, Unwirksamkeit oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gefährdet ist. Die Therapie gehört immer in die Hände von entsprechend spezialisierten Ärzten.