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Formen chemotherapie-bedingten Erbrechens

Formen chemotherapie-
bedingten Erbrechens

Chemotherapiebedingtes Erbrechen lässt sich durch den Zeitpunkt seines Auftretens und durch die stattfindenden Vorgänge im Körper in drei Formen unterteilen. Man unterscheidet zwischen dem akuten, verzögerten und antizipatorischen Erbrechen.

Man weiß heute, dass beim chemotherapiebedingten Erbrechen verschiedene Vorgänge zu unterschiedlichen Zeitpunkten ablaufen. Dabei spielen je nach Zeitpunkt verschiedene Botenstoffe eine tragende Rolle. Man unterscheidet:

  • Akutes Erbrechen: Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Chemotherapie
  • Verzögertes Erbrechen: Später als 24 Stunden nach der Chemotherapie
  • Antizipatorisches Erbrechen: Psychisch bedingtes, erlerntes Erbrechen

Alle Formen können sowohl gemeinsam als auch isoliert vorkommen.

Je nach Chemotherapie kann akutes Erbrechen kurz nach der Chemotherapie einsetzen, aber auch erst Stunden später. Ohne vorbeugende Behandlung kann es in Abhängigkeit von der Brechreiz auslösenden Chemotherapie zu vielen Brechepisoden innerhalb kurzer Zeit kommen.

Verzögertes Erbrechen beginnt erst am Tag nach der Chemotherapie, wenn man glaubt, dass das Schlimmste schon vorbei ist, und man wieder zu Hause ist. Dann ist es besonders unangenehm. Verzögertes Erbrechen tritt besonders häufig dann auf, wenn man auch unter akutem Erbrechen gelitten hat.

Antizipatorisches Erbrechen beruht auf negativen Erfahrungen bei einer vorausgegangenen Therapie. Man verbindet einen Gedanken, einen Geruch oder den Anblick des Behandlungsraums im Krankenhaus mit Erbrechen und muss sich dann tatsächlich übergeben, obwohl man noch gar keine erneute Chemotherapie bekommen hat.

Das akute Erbrechen steht stark mit der Freisetzung von Serotonin in Verbindung, während dieser Botenstoff beim verzögerten Erbrechen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielt. Substanz P scheint sowohl in der akuten als auch in der verzögerten Phase des Erbrechens wichtig zu sein.

Im Unterschied zu den beiden soeben beschriebenen Formen ist das antizipatorische Erbrechen eine erlernte Reaktion, die vermutlich nicht über diese beiden Wege gesteuert wird. Es ist daher besonders wichtig, vorbeugend, also vor Beginn der Chemotherapie, Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen einzunehmen, damit der Körper diese Form des Erbrechens gar nicht erst lernen kann.

Ein wichtiger Punkt ist, dass Erbrechen und Übelkeit nicht ein einziger Vorgang sind, sondern dass Übelkeit auch unabhängig von Erbrechen auftritt. Man geht davon aus, dass bei der Übelkeit zusätzlich noch weitere, nicht geklärte Mechanismen eingebunden sind. Von vielen Patienten wird Erbrechen eher als Erleichterung empfunden, während eine fortwährende Übelkeit sehr belastend sein kann. Erbrechen tritt selten ohne Übelkeit in Erscheinung, daher sprechen wir im Folgenden immer von Erbrechen, meinen aber beides.