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Colitis ulcerosa: Therapieübersicht und Medikamente

Colitis ulcerosa: Therapieübersicht und Medikamente

Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa

Das eine Medikament oder das eine Verfahren, das alle Probleme löst, gibt es bei der Colitis ulcerosa leider nicht. Zu unterschiedlich sind die Krankheitsverläufe und Symptomausprägungen, zu unterschiedlich sind auch die individuellen Anforderungen an eine Therapie.

Deshalb versuchen Ärzte aus einer Vielzahl von Maßnahmen diejenigen herauszufinden, die das individuell beste Therapieergebnis bringen. Die Erkrankung einzudämmen ist generell möglich – eine komplette Heilung jedoch nicht. In den meisten Fällen ist die Erkrankung mit Medikamenten gut in den Griff zu bekommen. In einigen Fällen kann jedoch auch eine Operation eine Möglichkeit darstellen, um die Lebensqualität zu verbessern. Jeder Patient sollte ein maßgeschneidertes Therapiekonzept bekommen, das auch Begleiterkrankungen, individuelle Risikofaktoren und die Lebensumstände berücksichtigt. 

Wichtige Therapieziele sind dabei:

Krankheitskontrolle: Sie ist das wesentliche Ziel jeglicher Behandlung. Es geht dabei darum, die Erkrankung in eine beschwerdefreie Phase (Remission) zu überführen und eine vollständige und anhaltende Normalisierung der Mukosa (Schleimhaut, in diesem Fall des Dickdarms) zu erreichen. Ein Ansprechen auf die medikamentöse Therapie ist hierfür u. a. wichtig.

Remissionserhalt: Ist eine beschwerdefreie Phase erreicht, versuchen Ärzte, sie so gut es geht zu erhalten. Das kann bei Patienten dazu führen, dass nur noch milde oder gar keine Symptome vorhanden sind und sie weitgehend ein normales Leben führen können. 

Krankheitsbewältigung: Die Art, wie Patienten mit ihrer Erkrankung umgehen, bestimmt auch ihre Lebensqualität. Ärzte und Therapeuten versuchen daher, den Betroffenen so genannte Bewältigungsstrategien an die Hand zu geben. Sie sollen helfen, das Selbstwertgefühl zu stärken, Ängste, Depressionen und Gefühle von Hoffnungslosigkeit zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern und das Leben – trotz Erkrankung – zu genießen.

Patienten sollten daher beim Arzt nicht nur über ihre Symptome, sondern auch über Ängste, Sorgen und Probleme sprechen.

Entscheidung für eine Behandlungsstrategie

Für die Wahl der Therapie sind die Symptome, die Ausdehnung der entzündlichen Veränderung (Befallsmuster) und der Schweregrad von Bedeutung. Die Beurteilung des Schweregrads der Erkrankung erfolgt in der Regel durch die Symptomatik und die Befunde der Darmspiegelung sowie weiterer Untersuchungen.

Erfolgsfaktor Therapietreue

Eine wichtige Voraussetzung für den Therapieerfolg ist die Therapietreue (Compliance, Adhärenz) des Patienten. Viele Patienten mit Colitis ulcerosa müssen auch in der beschwerdefreien Phase regelmäßig Medikamente einnehmen, um die Krankheit unter Kontrolle zu halten. In dieser Zeit ist die Versuchung manchmal groß, die Therapie selbständig abzusetzen und auf Arztbesuche zu verzichten. Damit riskiert man jedoch einen möglichen neuen Krankheitsschub.

Besser ist es, mit dem behandelnden Arzt darüber zu sprechen, warum man seine Medikamente nicht mehr nehmen möchte. Möglicherweise kann die Behandlung so angepasst werden, dass die Gründe für einen Therapieabbruch hinfällig werden.

Mögliche Medikamente zur Behandlung einer Colitis ulcerosa bei Erwachsenen

Bei der medikamentösen Therapie der Colitis ulcerosa folgen die meisten Ärzte einem Stufenschema, wobei die Therapie des akuten Schubs von der Behandlung zur Erhaltung der Remission (Erhaltungstherapie) unterschieden werden kann.

Folgende Medikamentenklassen können abhängig vom Krankheitsverlauf, der Krankheitsaktivität, der Wirksamkeit und Verträglichkeit vorangegangener Behandlungsversuche sowie allgemeiner Begleitumstände im jeweiligen individuellen Fall eingesetzt werden: 

Aminosalicylate

  • Dienen der Entzündungshemmung im Darm
  • Können in Form von Tabletten, Zäpfchen, Schäumen oder als Einläufe je nach Lokalisation der Entzündung angewendet werden

Kortisonpräparate (Synonyme: Kortikosteroide, Glukokortikoide oder Steroide)

  • wirken entzündungshemmend und unterdrücken das Immunsystem
  • Die Unterdrückung des Immunsystems kann die Infektanfälligkeit erhöhen. 

Immunsuppressiva 

  • Unterdrücken das körpereigene Immunsystem, das bei der Colitis ulcerosa fehlgeleitet ist und überschießend reagiert.
  • Die Unterdrückung des Immunsystems kann die Infektanfälligkeit erhöhen.

Biologika 

  • TNFα-Hemmer (Anti-TNFα-Antikörper) können den entzündlichen Prozess und die daraus resultierende Zerstörung der Darmschleimhaut reduzieren.
  • Integrin-Hemmer sind gegen andere Eiweißstrukturen gerichtet wie beispielsweise α4β7-Integrin und können wie TNFα-Hemmer den entzündlichen Prozess und die Zerstörung der Darmschleimhaut reduzieren.
  • Bei der Therapie mit Biologika ist die Infektanfälligkeit aufgrund der Unterdrückung des Immunsystems erhöht. 

Nähere Informationen zu den beschriebenen Therapieoptionen erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt. Wie alle Arzneimittel können auch die oben genannten Medikamente Nebenwirkungen haben. Diese müssen aber nicht zwangsläufig bei jedem Anwender auftreten. Einige unerwünschte Wirkungen bedürfen einer Behandlung. Es ist wichtig, als Patient die jeweiligen Beipackzettel der Medikamente zu beachten und den behandelnden Arzt bei Bedarf zu kontaktieren. Nur so können eventuell auftretende Nebenwirkungen erkannt und die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden.